Wer auf dem heimischen Flugplatz etwas
Oldtimerflair versprühen will, hat sicher schon daran gedacht, sich eine
Tiger Moth oder Stearman zu kaufen. Letzteres Modell, hier von der Firma Kavan,
stellen wir in diesem Bericht vor.
Nicht jeder, der solch eine
Maschine fliegen will, hat Lust und Zeit zum Bau des Modells in aufwändiger
Holzbauweise. Die Firma K&W Flugmodelle im Vertrieb der Firma Kavan
bietet eine Vielzahl wunderschöner Scale-Oldtimer im Maßstab
1:5 an. Im Gegensatz zu den Modellen im Maßstab 1:4 sind die 1:5-Flugzeuge
noch sehr gut zu transportieren; zudem strapazieren Motorisierung und RC-Komponenten
das Budget nicht übermäßig. Es ist jedoch schon eine Größe,
die Scale-Modellbau mit annähernd originalgetreuem Flugverhalten zulässt.
Die Stearman wird in zwei großen Kisten angeliefert. In dem kleineren Karton
sind die vier Tragflächenhälften und die Leitwerksteile zu finden. In
dem zweiten, als Sperrgut angelieferten Karton, steht ein bis auf die Räder
und Leitwerke fertig montierter Rumpf. Sind die aufwändigen Schutzverpackungen
von den einzelnen Bauteilen entfernt, relativiert sich zum ersten Mal der Anschaffungspreis
von 1.150, Euro. Hier steht ein Flugzeug auf dem Baubrett, das den Namen
ARF wirklich verdient. Die erste euphorische Zeitplanung sieht die PT-17 schon
in einer Woche in der Luft!

Die Aussparungen für Motor, Schalldämpfer und Tank
sind ausgefräst
Konstruktion
Bei dem voluminösen, in klassischer Holzbauweise gefertigten Rumpf fällt
zuerst die große Neun-Zylinder-Sternmotor-Attrappe ins Auge: Sie ist ein
Gebilde aus Kunststoff und Holz, das einfach Klasse aussieht. Dieses Bauteil kann
vom Rumpf nach vorne hin abgezogen werden, wonach ein konventioneller Motorträger
aus Holz zur Aufnahme des richtigen Motors zum Vorschein kommt. Als nächstes
wird das stabile, gefederte Fahrwerk inspiziert. Die Dämpfung ist gut abgestimmt
und die spielfrei arbeitenden, kräftigen Scheren werden wohl auch härtere
Landungen klaglos
überstehen. Die Felgen der zwei 125 Millimeter großen
Luftreifen werden mit lackierten Radverkleidungsscheiben innen und außen
abgedeckt. Auffallend in diesem Bereich sind die originalgetreu geformten Verkleidungen
der Fahrwerksbeine mit dem harmonischen Übergang zum Rumpf. Die Frage nach
dem verwendeten Material wird durch einen Blick in die knappe, in englischer Sprache
gehaltene Bauanleitung beantwortet. Hier steht, dass sämtliche Verkleidungen,
die bei dem Originalflugzeug aus Aluminium hergestellt wurden, auch bei unserem
Modell aus diesem Material angefertigt sind. Die einzelnen Alu-Segmente sind mit
kleinen Schrauben befestigt und lassen sich bei Bedarf leicht abnehmen, um an
die dahinter liegenden Bereiche zu gelangen. Der fertig bespannte Baldachin ruht
auf vier Stielen und ist mit ummantelter Stahllitze verspannt. Auch dieses Bauteil
lässt sich bei Bedarf mit wenigen Handgriffen abbauen. Die dahinter liegenden
Cockpits sind mit schwarzem Kraftstoffschlauch eingefasst, zwei robuste Windschutzscheiben
schützen die Piloten vor dem Fahrtwind. Eine Cockpitausstattung ist nicht
vorhanden. Das Heck ist fertig zur Aufnahme der Leitwerke vorbereitet. Das einteilige
Höhenleitwerk wird mit drei M4-Kunststoffschrauben befestigt. Durch die mittige
Öffnung gelangt man an die im Rumpf geführte Schubstange, um sie mit
dem Ruder verbinden zu können. Die Dämpfungsfläche des Seitenleitwerkes
wird mit dem Höhenleitwerk und dem Rumpfende verschraubt. Auch dieser Bereich
wird anschließend mit einem exakt passenden Alu-Teil verkleidet. Wird nun
noch die fertig vorbereitete Verspannung eingehängt, erhält diese Baugruppe
eine enorme Festigkeit. Die Aufhängung des montierten und angelenkten Spornrades
ist nach Abnahme der Aluminiumverkleidung zugänglich und nach unten originalgetreu
mit Leder ausgekleidet. Die gesamte Rumpfkonstruktion ist äußerst robust
gebaut, auch wenn nicht immer das beste Sperrholz verwendet wurde. Die Verklebung
der Spanten, Gurte und Leisten ist makellos. Die Bespannung besteht aus Solartex
und ist, wie die Aluminiumteile, mit dunkelblauer, kraftstofffester Farbe spritzlackiert.

Die nicht bespannten Rumpfabschnitte sind mit Aluminium verkleidet
Tragflächen
Die vier Tragflächenteile entsprechen in Form der Nasenleisten, Hilfsholme
und Querruder sowie der Rippenanzahl exakt dem Vorbild. Es kommt ein zirka 16
Prozent dickes, leicht gewölbtes Profil zum Einsatz. Sämtliche Anschlüsse
zur Verbindung mit Rumpf beziehungsweise Baldachin und N-Stielen sind vom Hersteller
eingebaut und passen mit den Gegenstücken genau zusammen. Die nur in der
unteren Fläche vorhanden Querruder sind originalgetreu in Hohlkehlen gelagert
und angelenkt. Diese verdeckte Anlenkung entspricht dem Vorbild; allerdings ist
diese aufgrund des kurzen Hebelarms vom Lager zum Angriffspunkt der Steuerstange
nicht flugmodelltauglich. Hier sind einfach die auftretenden Kräfte durch
die recht großen Querruder zu groß und eine annähernd spielfreie
Anlenkung ist auch nicht möglich. Vorgesehen ist die Querruderansteuerung
mittels eines Servos im Rumpf über Schubstangen und Umlenkhebel in den Tragflächen.
Bei unserer Stearman waren beide Umlenkhebel bereits bei Anlieferung ausgebrochen,
wahrscheinlich verursacht durch den zu kurzen Hebelarm. So mussten die Flächen
in diesem Bereich geöffnet werden. Um hier eine dauerhafte Lösung zu
erreichen, wurden neue Ruderhörner mit nunmehr größerem Abstand
zum Querruderlager eingesetzt und in jede Fläche ein Servo eingebaut.

Das Merker-Schalldämpfersystem verschwindet komplett hinter
der Verkleidung
Kraftpaket
Als Motor wird der OS 120er-Viertakter empfohlen. Dieser soll nach Ausbau des
oberen Zylinders der Sternmotor-Attrappe in dem frei gewordenen Bereich seinen
Platz finden. Für den fast zwei Meter spannenden Doppeldecker haben wir den
OS 120 Surpass III in der Hoffnung vorgesehen, der Einbau wäre so einfach,
wie in der Anleitung beschrieben. Aber schon beim ersten Anhalten des Motors wird
klar, dass dieses kleine Kraftpaket nicht ganz so einfach einzubauen sein wird.
Bevor die Arbeiten hier losgehen, werden sämtliche Verkleidungsbleche im
vorderen Rumpfbereich entfernt. Jetzt ist die Konstruktion der Maschine auch in
diesem Abschnitt sehr gut zu erkennen und die Planung für den Motoreinbau
samt Schalldämpfersystem kann beginnen. Die meisten Änderungen müssen
am vorderen, silbern lackierten Abschlussspant des Rumpfes vorgenommen werden,
um Platz für Düsennadel, Pumpe und Vergaser zu schaffen. Sitzt der Motor,
wird das Merker-Auspuffsystem installiert. Mit dem fast rechtwinklig vom Motor
abgehenden Flexkrümmer werden die Abgase in den unten im Rumpf mit einer
Schelle angebrachten Mehrkammerdämpfer geleitet; von dort gelangen sie über
einen Silikonschlauch ins Freie. Jetzt wird der obere Zylinder der Sternmotor-Attrappe
heraus operiert. Anschließend werden die notwendigen Aussparungen
im Mittelteil der Attrappe unter anderem für das Nockenwellen-Gehäuse
ausgefräst, bis der Achtzylinder aufgeschoben werden kann.
Die Befestigung der Motor-Attrappe erfolgt aber nicht mehr, wie vorgesehen, mit
einfachen Holzschrauben, sondern mit Gewindestangen und selbst angefertigten Gewindehülsen.
Zur Aufnahme des 450-Milliliter-Tanks wird ein entsprechender Ausschnitt in den
zweiten Rumpfspant gefräst und das Drosselservo HS 81 darüber angebracht.
Eine Zusatzglühung Typ Glow 4 plus von Jamara mit eigenem Akku
muss auch noch Platz finden. Der 2.400-mAh-Flugakku wird mit Klettband und Kabelbindern
rückseitig an den zweiten Spant befestigt. Der Schalter findet auf dem selbst
hergestellten Instrumentenbrett Platz. Abschließend werden sämtliche
Holzteile, die mit Kraftstoff in Berührung kommen können, mit GFK versiegelt.
Wer Zwei-Komponenten-Lack im Keller stehen hat, kann natürlich auch diesen
verwenden. Der Cockpitausbau muss noch bis zur Feststellung der tatsächlichen
Abflugmaße warten. Jetzt kann schon der erste Bodenlauf erst einmal
ohne Tragflächen stattfinden. Wegen des großen Sternmotors wird
eine 18 x 6-Luftschraube empfohlen. Der OS 120 Surpass III dreht diesen Quirl
mit etwa 6.800 Umdrehungen pro Minute und erzeugt einen gewaltigen Standschub.
Der Sound mit dem verwendeten Schalldämpfersystem entspricht auch bei Vollgas
durchaus den Erwartungen.

Neben dem Tank findet der Glow 4 plus von Jamara Platz, der
allerdings
aufgrund von Empfangsstörungen wieder entfernt werden musste
Endspurt
Nun geht es mit
großen Schritten dem Erstflug entgegen. Die Tragflächen werden angesetzt
und mit den bereits voreingestellten Spanndrähten befestigt. Nachdem die
N-Stiele verschraubt sind, werden die einzelnen Tragflächen jeweils innen
und außen mit einer EWD-Waage (Einstellwinkeldifferenz) vermessen und mittels
der N-Stiele und Spanndrähte fein justiert. Durch den abnehmbaren Baldachin
kann der Einstellwinkel der oberen Fläche auch später noch in geringem
Maße durch Unterlegen von Distanzstücken verändert werden. Bedacht
werden muss bei diesem Modell, dass sämtliche Kräfte wie auch
beim Vorbild im Flug und bei der Landung nur durch die Spanndrähte
aufgenommen werden. Somit ist größte Sorgfalt bei dieser Arbeit angesagt!
Inzwischen steht ein wunderschönes, recht großes Modell auf der Werkbank
und es fehlt nur noch der Einbau von Höhen- und Seitenruderservo. Danach
können auch schon die Ruderausschläge eingestellt und der Glow
4 plus justiert werden. Nicht zu vergessen sind die Ermittlung des Schwerpunktes
und der Gesamtmasse des Flugzeugs. Bei Modellen dieser Größe und Gewichtsklasse
wird die Lage des Schwerpunktes am genauesten mit Hilfe von zwei Feinwaagen ermittelt,
so wie dies auch bei Großflugzeugen durchgeführt wird. Gleichzeitig
ergibt sich hieraus auch die Gesamtmasse des Fliegers. Der angegebene Schwerpunkt
der Stearman liegt 150 Millimeter hinter der Nasenleiste der oberen Fläche;
beim Testmodell liegt er allerdings noch acht Millimeter weiter zurück. Eigene
Berechnungen ergeben eine Schwerpunktlage von 142 Millimetern. Um bei dem Erstflug
keine bösen Überraschungen zu erleben, werden auf der Innenseite des
Kopfspantes 450 Gramm Blei befestigt. Jetzt liegt der CG (center of gravity) auf
der sicheren Seite, die Abflugmasse ist aber auf 8.295 Gramm angewachsen.

Das Flugzeug ist in klassischer Holzbauweise erstellt
Hoch und weg
An einem schönen
Frühlingstag geht es
auf den Flugplatz. Bei der obligatorischen Reichweitenüberprüfung
mit eingeschobener Senderantenne fangen bei zirka zwölf Metern Abstand sämtliche
Ruder an verrückt zu spielen es wird also nichts mit dem Jungfernflug!
Zuerst wird als Ursache die aufwändige Aluminiumverkleidung oder die Drahtverspannung
der Tragflächen vermutet. Aber nach Abbau der Tragflächen samt Verspannung
ist keine Veränderung feststellbar. Auch eine andere Position der Antenne
bringt keine Besserung. Nachdem mit anderen Sendern und Empfängern experimentiert
wurde, wird als Fehlerquelle der Glow 4 plus lokalisiert. Nach Trennen
dieses Bauteils vom Empfänger sind sämtliche Störungen verschwunden
und dem Erstflug steht nichts mehr im Wege, da der OS 120 Surpass III nach der
Einlaufphase auch ohne Zusatzglühung eine sehr gute Leerlaufdrehzahl aufweist.
Während der gesamten Flugerprobung werden keinerlei Einschränkung hinsichtlich
der Reichweite durch die Alu-Verkleidung oder den Drahtverhau der Tragflächen
festgestellt. Die Antenne liegt hierbei geradlinig nach hinten am Rumpfboden.
Das Fliegen mit der Stearman macht einfach nur Spaß. Mit gezogenem Höhenruder
rollt man die ersten Meter an und gibt danach das Ruder in die Neutrallage zurück.
Das Seitenruder wirkt gut und aufgrund der Größe des Modells ruhig.
Nach etwa 40 bis 50 Metern hebt die Maschine fast von alleine ab. Die Ruderabstimmung
ist ausgewogen und das Flugbild entspricht wirklich dem eines Doppeldeckers. Lediglich
die Motorleistung ist durch das erhöhte Abfluggewicht im Steigflug nicht
überzeugend. Geht man jedoch gefühlvoll mit dem Höhenruder um,
ist nach kurzer Zeit die notwendige Höhe erreicht, um den Flieger zu testen.

Das
kräftig dimensionierte Fahrwerk fängt auch härtere Landestöße
ab
Die für einen Doppeldecker dieser Bauart typischen
Kunstflugfiguren lassen sich wunderbar fliegen, wobei vor Aufwärtspassagen
Schwung geholt werden muss. Wird die Fahrt rausgenommen, kippt die Stearman, je
nach Seitenruderstellung, über eine Fläche ab und schraubt sich originalgetreu
nach unten. Mit Vollgas und entsprechender Ruderbetätigung ist die PT-17
aber sofort wieder steuerbar. Zum gemütlichen Umherfliegen genügt Halbgas.
In ausreichender Höhe ist das Modell dann nur noch schwer vom Original zu
unterscheiden. Die jetzt folgende Landung ist genauso unproblematisch wie der
Flug zuvor, erinnert man sich daran, dass gut acht Kilogramm Flugzeug angeschwebt
kommen. Kurz vor dem Aufsetzen ist es vorteilhaft, die Propellerdrehzahl leicht
zu erhöhen, um mit voll gezogenem Höhenruder möglichst in einer
Dreipunktlage aufzusetzen. Klappt dies nicht auf Anhieb, ist es auch nicht weiter
tragisch, da das gefederte Fahrwerk auch härtere Landestöße gut
abfängt. Lediglich bei Seitenwind muss mit allen Rudern gearbeitet werden,
um bei dem schmalen Fahrwerk immer mit beiden Rädern Bodenkontakt zu halten.
Bei den weiteren Flügen werden der Glühakku und etwas Blei entfernt,
sodass die Abflugmasse auf 7.895 Gramm gedrückt werden kann. Die daraus resultierende
Schwerpunktverlagerung nach hinten ist im Fluge kaum wahrnehmbar, wohl aber die
400 Gramm weniger Fluggewicht! Da es wahrscheinlich nur schwer möglich ist,
die Abflugmasse unter sieben Kilogramm zu halten, entspricht die Leistung mit
einem normalen 120er-Viertakter eher einer original Stearman mit Sieben-Zylinder-Sternmotor
und zwei Mann Besatzung. Die vielen Ausführungsvarianten der PT-17, gerade
im Motorbereich, lassen aber den Einbau eines stärkeren Triebwerkes zu. Die
Maschine hat im Hinblick auf die Festigkeit noch genügend Reserven. Wird
das Gewicht in Grenzen gehalten, laden auch die Cockpits zum Ausbau ein. Für
Freunde von solch schönen Oldtimern lohnt sich in jedem Fall der Blick in
den Kavan-Katalog.

Höhen- und Seitenleitwerk, noch ohne Verkleidung

Der OS 120 Surpass III fügt sich gut in den Sternmotor ein

Die
Flying Wires sind, wie beim Original, vierfach ausgeführt

Sämtliche Beschriftungen gehören nicht zum Lieferumfang

Die
Spanndrähte sind beschriftet und voreingestellt

Boing Stearman PT-17

Trotz der Masse von zirka acht Kilogramm ist die PT-17 sehr wendig

Trotz
der Masse von zirka acht Kilogramm ist die PT-17 sehr wendig


Der Landeanflug

Kurz vor dem Aufsetzen in Dreipunktlage

Bei Seitenwind kann das schon mal passieren

Mit der EWD-Waage werden die Tragflächen innen und außen
vermessen