Beim Recherchieren nach urig aussehenden Flugmodellen im Internet stieß ich durch Zufall auf das Foto einer StaggerBee. Fetter Rumpf, geschwungene und ungewöhnlich gestaffelte Tragflächen zeichneten sie aus. Das 30 Kilobyte große Bild landete flugs im Speicher „Eigene Bilder“ auf der Festplatte und schlummerte dort vor sich hin.

Dieses Frühjahr, gut drei Jahre waren seit der Internetrecherche vergangen, rief sich das Foto in Erinnerung – wieder durch einen Zufall. Die Lust, etwas Ungewöhnliches zu bauen, war erneut geweckt, wurde aber dieses Mal umgesetzt.


Vor dem Zerschneiden der Fläche in sechs Teile ist sie komplett per Hand über eine Tischkante zu wölben

Grundzüge
Leider brachte eine erneute Recherche weder brauchbares Bildmaterial anderer StaggerBees noch einen Plan zum Nachbauen hervor. Da half nur, selbst zum Zeichenstift zu greifen. Maßgabe war, dass das Modell relativ zügig fertig gestellt werden und wenig Platz zur späteren Aufbewahrung beanspruchen sollte. Optimal wären eine Spannweite sowie Länge von etwa 600 Millimeter (mm) und ein Abfluggewicht von unter 200 Gramm. Weil zwei Flächen die Belastung besser teilen, sollten es große werden, was durch eine gewisse Tiefe erreichbar ist.

Bei der Rumpfgestaltung leistete das Internetfoto etwas Hilfestellung. Anhand der erkennbaren Kontur entstand ein erster Entwurf, der abschließend verfeinert wurde. Schritt für Schritt ergab sich auf dem Zeichenpapier sowie vor meinem geistigen Auge eine fertige StaggerBee, die sich optisch dann doch deutlich von der Internet-Vorlage entfernt hatte. Die Neue wirkte putziger, fetter, mehr comic-like und erhielt daher den Namen L'il Staggy.


Das Rumpfseitenteil sowie die vordere, untere Rumpfabdeckung sind leicht zu wölben, damit sich alles verzugsfrei verkleben lässt

Schwungvoll
Den Grundstein zum Modell legten die beiden Flächen, die aus 3-mm-Depron geschnitten wurden. Obere und Untere sind in der Ausführung zunächst deckungsgleich. Bei der Unteren fehlen jedoch insgesamt 30 mm Spannweite. Die wurden von der Mitte aus abgeschnitten. Der Eingriff selbst erfolgte aus rein kosmetischen Gründen. Schließlich sollte L'il Staggy mit den Konventionen brechen und nicht nur gut aussehen.

Um später nochmals das gleiche Modell bauen zu können, entstanden zu allen Bauteilen Schablonen, die das Ausschneiden der Depron-Teile erleichtern würden – so auch bei den Flächen. Eine halbe Stunde später lagen vier Hälften fertig zum Profilieren vor mir. Letzteres ist eine etwas lästige Hand­arbeit, denn jedes Flächenstück ist vorsichtig mit der Hand über eine Tischkante zu walken, bis der gewünschte Wölbungsgrad erreicht ist.


Ist die zweite Rumpfseite angebracht, kommt die hintere, untere Abdeckung an die Reihe; die Zelle ist jetzt deutlich steifer

Kaum war das geschafft, galt es, die Flächen zum Einkleben eines Holms mittig durchzuschneiden und die Querruder herauszutrennen.

Gedacht, getan. Als Holm reicht ein 0,6 × 3-mm-CFK-Stab locker aus. Er wird mit Hilfe von Uhu por an die durchtrennten Stellen geklebt. Zuvor bekam der Holm seine 8 Grad V-Form verpasst. Damit sich beide Flächenhälften gut untereinander sowie mit dem Holm verkleben lassen, war es nötig, im Bereich der Flächenwurzel ganz wenig Material sichelförmig auszuschneiden. Insgesamt ist hier einfach auf eine sorgfältige Vorgehensweise zu achten, um Spannungen oder Verzüge zu vermeiden sowie die Wölbung zu erhalten. Zum Befestigen der Querruder gab es je einen Streifen Tesafilm spendiert – das hält gut.


In den Sperrholzteilen lagern später die CFK-Achsen der Räder und sorgen für stabile Radpuschen

Pummelchen
Etwas schwer tat ich mich beim Entwerfen der Rumpfform. Er sollte nicht zu hoch werden, damit die Flächen in einem optisch ansprechenden Verhältnis zueinander platziert sind. Die Rumpfnase und das Heck mussten gleichzeitig kurz ausfallen und wohlproportioniert sein. Irgendwann stand der Entwurf und wieder half eine Schablone, die beiden Rumfseitenteile aus 3-mm-Depron auszuschneiden.


Über CFK-Lenkstangen werden die Ausschläge der unteren Querruder zu den oberen weitergegeben

Durch die Rumpfform sind 2 Grad Motorsturz, Tragflächenprofil und 2 Grad EWD berücksichtigt. Das vordere und das hintere Bodenelement sowie die obere Heckabdeckung bestehen aus 3-mm-Teilen. Als tragendes Element des Rumpfs kommen eine Mittelplatte und zwei Rumpfspanten zum Einsatz – ebenfalls aus 3-mm-Depron. Einzig beim Motorspant, der aus 2-mm-Sperrholz entstand, und der Cockpit-Verdeckung aus 6-mm-Depron wurde vom Grundmaterial nicht weiter abgewichen.

Im ersten Schritt war das Gerüst zu bauen, dann dessen spätere Position auf die Rumpfseitenteile zu übertragen und schließlich mit Uhu por zusammenzukleben. Dann folgten der Motorspant sowie die Bodenelemente. Der Einfachheit halber stand als Nächstes der Einbau der beiden Servos fürs Höhen- und Seitenruder sowie deren Konfektionierung mit CFK-Schubstangen auf dem Plan. Beide Rudermaschinen sitzen weit hinten im Rumpf, um später den Schwerpunkt mit Hilfe des vorne sitzenden Akkus komfortabel einstellen zu können.


Höhen- und Seitenruderservos sitzen weit hinten. Vor dem Verschließen des hinteren Rumpfs sind die Lenkstangen einzubauen

Anpeilen
War bislang schon sorgfältig gearbeitet worden, so erforderten die nächsten Aktionen noch mehr Aufmerksamkeit: Das exakte Ankleben der Flächen mit Uhu por. Den Anfang machte die untere. Leicht fixieren, ein paar Mal über das Ganze drüberpeilen, ob auch alles korrekt sitzt, dann festdrücken und schwupps, war sie dran. Fehlte nur noch das Querruderservo. Für dieses wurde mit einem scharfen Skalpell mittig in der Fläche Platz geschaffen. Die Ruderhörner sind Marke Eigenbau aus CFK-Flachprofil und mit etwas Uhu por angeklebt.

Weiter ging es mit dem Einkleben des Höhenleitwerks, dann der Rumpf-Heckabdeckung und darauf schließlich des Seitenleitwerks. Selbstredend wurden auch hier zuvor die Ruder abgetrennt und dann mit Tesa wieder anscharniert. Und, ganz wichtig, immer wieder mit dem kritischen Auge überprüfen, ob beide Leitwerke senkrecht beziehungsweise waagerecht zur Tragfläche und zum Rumpf stehen. Schief würde eingeschränkte bis schlechte Flugeigenschaften bedeuten.

Ein durchgehendes CFK-Flachprofil stabilisiert das Höhenleitwerk

Schuhprobe
Bei der StaggerBee aus dem Internet gefielen mir besonders die Radschuhe. Die waren dort recht unkonventionell angebracht, und das sollte bei meiner L'il Staggy auch so umgesetzt werden.

Pro Rad waren zwei Seitenteile als Verkleidung aus 3-mm-Depron zu schneiden. Gerollt wird auf Moosgummirädern mit einem Durchmesser von 32 mm und 10 mm Breite. Als Achse dient ein etwa 35 mm langer CFK-Stab mit 1,5 mm Durchmesser. Damit sich dieser auch gut im weichen Depron befestigen lässt, halten ihn zwei ­1,2-mm-Sperrholz-Achslager, die innen in den Radschuhen eingeklebt sind. Der einwandfreie Rundlauf beider Räder gelingt, wenn beim Bohren der Löcher für die Achslager sowie dem Zusammenkleben aller Teile untereinander und dann am Rumpf exakt gearbeitet wird.

Der Optik wegen verschwindet der Motor hinter einer Depronplatte

Schlussspurt
Mit dem Aufkleben der oberen Fläche, dem Anbringen von Lenkstangen zwischen den Querrrudern, dem Anfertigen einer Cockpitabdeckung aus 6-mm-Depron und dem Verschließen des Motorraums war der Bau der L'il Staggy abgeschlossen. Der Optik wegen rückte ich der Cockpitabdeckung mit Schleifpapier zu Leibe und rundete die Kanten ab. Ein selbst gebauter Spinner aus 6-mm-Depron, der mit Uhu por auf dem Mitnehmer des Props fixiert ist, verlieh dem Doppeldecker den vorletzten Schliff.

So ganz in Weiß wirkte die L'il Staggy noch nicht überzeugend genug. Vor allem die schwarzen CFK-Holme beeinträchtigen das Bild. Da musste dunkle Farbe drüber. Gedacht, getan. Den geschwungenen Linien des Modells folgend, fertigte ich Schablonen aus 3-mmm-Depron an, mit denen sich bestens gleich verlaufende Konturlinien aufs Depron zeichnen ließen. Ein feiner Pinsel leistete beim Lackieren mit wasserverdünnbarer Farbe hervorragende Dienste und brachte ein farblich gelungenes Ergebnis hervor. Die Cockpitverglasung wurde nach der gleichen Schablonen-Methode auflackiert.

Ein selbst gebauter Depron-Spinner krönt die L'il Staggy und trägt zu einem harmonischen Gesamtbild bei

Flügge
„Das sieht sehr entspannt aus, wie Sie da Fliegen“ lautete der Kommentar eines Spaziergängers, der das Modell beim Erstflug in Aktion sah. Ich konnte das zunächst gar nicht nachempfinden, denn die L'il Staggy erwies sich als kleine Zicke. Sowohl beim Schwerpunkt, der erst zu weit hinten lag, als auch bei den Ruderausschlägen, die anfangs viel zu groß eingestellt waren, hatte ich mich verschätzt. Der Erstflug war unruhig, verlief aber Blessurenfrei. Vielleicht bewirkten mehr die Modelloptik und das bewusst vorsichtige Fliegen die Äußerung meines Zuschauers.

Zum Zweitflug ging es mit nach vorne verlegtem Schwerpunkt – jetzt bei 60 mm hinter der Nasenleiste gemessen von der Rumpfmitte – und reduzierten Ruderausschlägen. Nun war es tatsächlich entspannter. Wie erwartet zollen der hohe Rumpf, das gewölbte Profil und die letztlich doch recht kleinen Querruder ihren Tribut: Die Rolleigenschaften sind bescheiden. Und wie bei einigen anderen Doppeldeckern auch, lässt sich L'il Staggy nicht alleine durch die Querruder wenden. Dafür muss schon das Seitenruder genommen werden. In Kurven kann man jedoch hervorragend mit den Querrudern gegensteuern, um das Modell gerade liegend zu fliegen. Das sieht auch optisch einfach schick aus.

Bei der Cockpitabdeckung kam 6-mm-Depron zum Einsatz, weil sich dieses an den Kanten schön rund schleifen lässt

Gas geben und mit beherztem Seiten- sowie Höhenruderausschlag um die Ecke fetzen, das macht am meisten Laune, denn die Wendigkeit an sich ist klasse. Zwischendurch ein Looping oder Turn, wunderbar. Rückenflug gehört nicht zu ihrer Paradedisziplin. Auch segeln will sie nicht. Vielmehr möchte L'il Staggy immer mit etwas Motorkraft geflogen werden. Trotzdem ist die minimale Grundgeschwindigkeit angenehm niedrig. Zum gemütlichen Slowflying reicht bereits Eindrittel-Gas aus. Mit Zweidrittel-Gas ist sie munter und flott zuwege. Bei Vollgas schießt sie auf Befehl senkrecht gen Himmel. Der Dualsky-Motor entwickelt in Kombination mit dem GWS-Propeller 7 × 3,5 Zoll reichlich Vortriebskraft. Jetzt ist Hakenschlagen und Rumbolzen angesagt. Da kommen Race-Ambitionen auf.

Nach weiteren Flügen stellt sich ein vertrautes Gefühl ein. Klar ist jedoch, dass L'il Staggy geflogen werden will. Sie ist beileibe kein Einsteiger-Parkflyer. Mit Wind kommt sie leider gar nicht zurecht. Da bietet sie zu viel Angriffsfläche und wird zum Spielball. Was hingegen fantastisch funktioniert und für Flugspaß sorgt, sind langsame Vorbeiflüge auf Augenhöhe unterbrochen von Touch-and-go-Manövern. Damit sie aufgrund des starren Fahrwerks nicht unnötig springt, ist mit wenig Schleppgas zu Landen – das geht butterweich vom Knüppel.

Basics
Ganz klar, die L'il Staggy ist ausbaufähig, und zwar optisch. Ich bin mit der Farbgebung zufrieden, doch ein peppiges Rot, Orange oder Gelb kombiniert mit kontrastierenden Streifen würde den Doppeldecker nochmals pushen. Dann noch eine Boxer-Motorattrappe, eine Kennung und eventuell Flächenstiele hinzu, schon avanciert sie zum Lieblingsmodell. Größere Radpuschen wären eine weitere Idee. Der Eigenbau lässt einem da gewisse Freiheiten, über die ein Kaufmodell nur begrenzt verfügen kann.

Der hohe Rumpf sowie die kurzen, geschwungenen und gewölbten Flächen verleihen der L'il Staggy ihr charakteristisches Äußeres

 

Text und Fotos: Mario Bicher

 

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