
Beim Recherchieren nach urig aussehenden Flugmodellen im Internet stieß ich durch Zufall auf das Foto einer StaggerBee. Fetter Rumpf, geschwungene und ungewöhnlich gestaffelte Tragflächen zeichneten sie aus. Das 30 Kilobyte große Bild landete flugs im Speicher „Eigene Bilder“ auf der Festplatte und schlummerte dort vor sich hin. Dieses Frühjahr, gut drei Jahre waren seit der Internetrecherche vergangen, rief sich das Foto in Erinnerung – wieder durch einen Zufall. Die Lust, etwas Ungewöhnliches zu bauen, war erneut geweckt, wurde aber dieses Mal umgesetzt.
Grundzüge Bei der Rumpfgestaltung leistete das Internetfoto etwas Hilfestellung. Anhand der erkennbaren Kontur entstand ein erster Entwurf, der abschließend verfeinert wurde. Schritt für Schritt ergab sich auf dem Zeichenpapier sowie vor meinem geistigen Auge eine fertige StaggerBee, die sich optisch dann doch deutlich von der Internet-Vorlage entfernt hatte. Die Neue wirkte putziger, fetter, mehr comic-like und erhielt daher den Namen L'il Staggy.
Schwungvoll Um später nochmals das gleiche Modell bauen zu können, entstanden zu allen Bauteilen Schablonen, die das Ausschneiden der Depron-Teile erleichtern würden – so auch bei den Flächen. Eine halbe Stunde später lagen vier Hälften fertig zum Profilieren vor mir. Letzteres ist eine etwas lästige Handarbeit, denn jedes Flächenstück ist vorsichtig mit der Hand über eine Tischkante zu walken, bis der gewünschte Wölbungsgrad erreicht ist.
Kaum war das geschafft, galt es, die Flächen zum Einkleben eines Holms mittig durchzuschneiden und die Querruder herauszutrennen.
Pummelchen
Durch die Rumpfform sind 2 Grad Motorsturz, Tragflächenprofil und 2 Grad EWD berücksichtigt. Das vordere und das hintere Bodenelement sowie die obere Heckabdeckung bestehen aus 3-mm-Teilen. Als tragendes Element des Rumpfs kommen eine Mittelplatte und zwei Rumpfspanten zum Einsatz – ebenfalls aus 3-mm-Depron. Einzig beim Motorspant, der aus 2-mm-Sperrholz entstand, und der Cockpit-Verdeckung aus 6-mm-Depron wurde vom Grundmaterial nicht weiter abgewichen. Im ersten Schritt war das Gerüst zu bauen, dann dessen spätere Position auf die Rumpfseitenteile zu übertragen und schließlich mit Uhu por zusammenzukleben. Dann folgten der Motorspant sowie die Bodenelemente. Der Einfachheit halber stand als Nächstes der Einbau der beiden Servos fürs Höhen- und Seitenruder sowie deren Konfektionierung mit CFK-Schubstangen auf dem Plan. Beide Rudermaschinen sitzen weit hinten im Rumpf, um später den Schwerpunkt mit Hilfe des vorne sitzenden Akkus komfortabel einstellen zu können.
Anpeilen Weiter ging es mit dem Einkleben des Höhenleitwerks, dann der Rumpf-Heckabdeckung und darauf schließlich des Seitenleitwerks. Selbstredend wurden auch hier zuvor die Ruder abgetrennt und dann mit Tesa wieder anscharniert. Und, ganz wichtig, immer wieder mit dem kritischen Auge überprüfen, ob beide Leitwerke senkrecht beziehungsweise waagerecht zur Tragfläche und zum Rumpf stehen. Schief würde eingeschränkte bis schlechte Flugeigenschaften bedeuten.
Schuhprobe
Schlussspurt So ganz in Weiß wirkte die L'il Staggy noch nicht überzeugend genug. Vor allem die schwarzen CFK-Holme beeinträchtigen das Bild. Da musste dunkle Farbe drüber. Gedacht, getan. Den geschwungenen Linien des Modells folgend, fertigte ich Schablonen aus 3-mmm-Depron an, mit denen sich bestens gleich verlaufende Konturlinien aufs Depron zeichnen ließen. Ein feiner Pinsel leistete beim Lackieren mit wasserverdünnbarer Farbe hervorragende Dienste und brachte ein farblich gelungenes Ergebnis hervor. Die Cockpitverglasung wurde nach der gleichen Schablonen-Methode auflackiert.
Flügge Zum Zweitflug ging es mit nach vorne verlegtem Schwerpunkt – jetzt bei 60 mm hinter der Nasenleiste gemessen von der Rumpfmitte – und reduzierten Ruderausschlägen. Nun war es tatsächlich entspannter. Wie erwartet zollen der hohe Rumpf, das gewölbte Profil und die letztlich doch recht kleinen Querruder ihren Tribut: Die Rolleigenschaften sind bescheiden. Und wie bei einigen anderen Doppeldeckern auch, lässt sich L'il Staggy nicht alleine durch die Querruder wenden. Dafür muss schon das Seitenruder genommen werden. In Kurven kann man jedoch hervorragend mit den Querrudern gegensteuern, um das Modell gerade liegend zu fliegen. Das sieht auch optisch einfach schick aus. Bei der Cockpitabdeckung kam 6-mm-Depron zum Einsatz, weil sich dieses an den Kanten schön rund schleifen lässtGas geben und mit beherztem Seiten- sowie Höhenruderausschlag um die Ecke fetzen, das macht am meisten Laune, denn die Wendigkeit an sich ist klasse. Zwischendurch ein Looping oder Turn, wunderbar. Rückenflug gehört nicht zu ihrer Paradedisziplin. Auch segeln will sie nicht. Vielmehr möchte L'il Staggy immer mit etwas Motorkraft geflogen werden. Trotzdem ist die minimale Grundgeschwindigkeit angenehm niedrig. Zum gemütlichen Slowflying reicht bereits Eindrittel-Gas aus. Mit Zweidrittel-Gas ist sie munter und flott zuwege. Bei Vollgas schießt sie auf Befehl senkrecht gen Himmel. Der Dualsky-Motor entwickelt in Kombination mit dem GWS-Propeller 7 × 3,5 Zoll reichlich Vortriebskraft. Jetzt ist Hakenschlagen und Rumbolzen angesagt. Da kommen Race-Ambitionen auf. Nach weiteren Flügen stellt sich ein vertrautes Gefühl ein. Klar ist jedoch, dass L'il Staggy geflogen werden will. Sie ist beileibe kein Einsteiger-Parkflyer. Mit Wind kommt sie leider gar nicht zurecht. Da bietet sie zu viel Angriffsfläche und wird zum Spielball. Was hingegen fantastisch funktioniert und für Flugspaß sorgt, sind langsame Vorbeiflüge auf Augenhöhe unterbrochen von Touch-and-go-Manövern. Damit sie aufgrund des starren Fahrwerks nicht unnötig springt, ist mit wenig Schleppgas zu Landen – das geht butterweich vom Knüppel. Basics Der hohe Rumpf sowie die kurzen, geschwungenen und gewölbten Flächen verleihen der L'il Staggy ihr charakteristisches Äußeres
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Text und Fotos: Mario Bicher |
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