Semi-Scale-Modellflug fängt nicht erst bei einer Spannweite von 3 Meter an und ist auch mit geringem Bauaufwand möglich, das zeigt die Göppingen 3 Minimoa von PAF Peter Adolfs Flugmodelle im Maßstab 1:10.


Ein geringer Ruderspalt kann nur durch eine flachere Befestigungsschraube zwischen Seiten- und Höhenruder erreicht werden – vorn zum Vergleich die beiliegende Schraube

Der Baukasteninhalt präsentiert sich insgesamt in sehr guter Qualität. Der leichte, fehlerfrei gefertigte GFK-Rumpf besitzt eine kaum sichtbare Naht und ist bereits passend zu den fertig bespannten Tragflächen und Leitwerksteilen in Beige eingefärbt. Ein Tütchen mit brauchbaren Kleinteilen liegt ebenfalls bei. Der Historiker und Freund der originalgetreuen Holzbauweise mag über die Verwendung eines GFK-Rumpfs eventuell den Kopf schütteln, für den praktischen Nutzen des Seglers ist die Bauweise allerdings vorteilhaft und sei daher entschuldigt. Festigkeit und Elastizität des Materials versprechen eine höhere Lebensdauer, auch bei härteren Landungen. Der spantenfreie, geräumige Rumpf ermöglicht eine freie Positionierung von Akku, Empfänger und Servos, sodass beim Einsatz geeigneter Komponenten sogar noch ein Ausbau des Cockpits möglich ist. Die wichtigsten Abmessungen des Modells, wie die Spannweiten von Tragfläche und Leitwerk, die Rumpflänge und Höhe des Seitenruders, entsprechen dem angegebenen Maßstab. Auch die Tragflächengeometrie, Rumpf- und Leitwerksform stimmen weitestgehend mit dem Vorbild überein. Landeklappen wie das Original besitzt das Modell allerdings nicht.



Für den fertigen Fahrwerksträger muss die Rumpföffnung passend ausgeschnitten werden

Tipps für den Bau
Die Vorfertigung des Baukastens entspricht den Ansprüchen an ein ARF-Modell, als das die Minimoa ausgeschrieben ist. Die Endmontage kann daher erwartungsgemäß an wenigen Abenden erfolgen und beschränkt sich auf folgende Tätigkeiten: Montage des Leitwerks, Einkleben der Tragflächenaufnahme, Ausarbeiten der Fahrwerksöffnung und Einkleben des Fahrwerksträgers mit Rad, Anfertigen der Durchführungen für Servostecker, Zentrierstift und Tragflächensicherung an der Flächenanformung des Rumpfs, Zuschneiden und Lackieren der Kabinenhaube, Einbau und Anschluss der Ruderservos, (2 x Quer-, 1 x Seiten-, 1 x Höhenruder), Einbau von Empfänger und Akku, Schwerpunkt überprüfen.


Der Einbau der Tragflächenverbindung ist etwas fummelig

Einfliegen
Bei der Montage des Seitenruders fällt auf, dass die hohen Schraubenköpfe der Höhenruderbefestigung einen großen Spalt zum Seitenruder erfordern. Durch einen Austausch der Schrauben kann ein deutlich günstigeres Spaltmaß gewählt werden.


Dekor und Aufkleber sind im Lieferumfang leider nicht enthalten

Der Einbau des Fahrwerksträgers im Rumpf sollte nach dem Verkleben der Tragflächenbefestigung erfolgen, da der innere Rumpfbereich anschließend nur noch schlecht zugänglich ist. Für den späteren Servo- und Bowdenzugeinbau ist es jedoch sinnvoll, das Landerad selbst erst als Letztes einzusetzen, um die Fahrwerksöffnung nutzen zu können. Die Montage der Flächenverbindung, bestehend aus gebo-genem Stahldraht, Hilfsspant und verschraubtem Beschlag, erfordert etwas Geduld und Fingerspitzengefühl. Das Ausrichten, Verschrauben und Verkleben der Teile erfolgt in einem Arbeitsgang. Hilfreich ist es, die Baugruppe zunächst „trocken“ einzubauen, auszurichten und die Lage der Einzeltteile zueinander und zum Rumpf mit einem feinen Edding zu markieren. So kann die richtige Position bei der endgültigen Montage schneller gefunden werden und Kleckereien mit Harz beschränken sich auf ein Mindestmaß.


Trotz fehlender Beschreibung bereitet der Querruderservo-Einbau keine Probleme

Die Kabinenhaube besteht beim Original aus einzelnen, durch Sprossen getrennten Sichtfenstern und einer Rumpfabdeckung, die zum leichteren Ein- und Aussteigen die Öffnung des Cockpits vergrößert. Im Baukasten findet sich hierzu ein durchgehendes transparentes Tiefziehteil. Die darin integrierten Fenstersprossen lassen sich nur schwierig sauber lackieren. Beim Testmodell sind die Sprossen daher mit in Streifen geschnittener Klebefolie dekoriert. Auch die Kennung an der Rumpfseite und unter der linken Fläche besteht aus derselben Folie. Die Kabinenhaube ist zwar sehr detailgetreu gestaltet, wirft aber das Problem der Lackierung des Bereichs der Rumpfabdeckung auf. Hier lässt sich mit dem Revell-Farbton „314 seidenmatt beige“ eine recht gute Übereinstimmung mit dem Rumpf erzielen. Wünschenswert wäre allerdings eine herstellerseitige Lackierung des Haubenbereichs mit dem originalen Farbton.


Selbst hergestellte Schriftzüge runden das Design ab

Querruderservos
Eine weitere ärgerliche Kleinigkeit taucht beim Einbau der Querruderservos in der Tragfläche auf. Der Lieferumfang beinhaltet keinerlei Material zur Abdeckung der Servoschächte. Da die Servos nahezu vollständig versenkt sind, kann die Öffnung leicht mit Bügelfolie verschlossen werden (zum Beispiel textile „Oracover-Antikbügelfolie“ in Beige). Der Einbau der Querruderservos selbst gestaltet sich recht einfach, da die Ruder direkt angelenkt werden können und zum Durchziehen der Servokabel durch die Fläche zur Wurzelrippe bereits ein Faden eingelegt ist. Die Bauanleitung offenbart allerdings, dass das Modell zunächst vermutlich als zweiachsgesteuerter Segler geplant war, da Abbildungen und Text noch den Bau eines Exemplars ohne Querruder darstellen.


Die tiefe Servoposition ermöglicht den Cockpitausbau

Auch über das Befestigungskonzept der Kabinenhaube schweigt sich die Anleitung aus. Die Haube des Testmodells besitzt vorne einen Holzstift im Instrumentenbrett, der unter den Rand der Rumpföffnung greift und wird hinten durch einen Tesafilmstreifen fixiert. Im Übrigen sind die beiliegenden Kleinteile zum Bau vollständig und von brauchbarer Qualität. Ein Dekorbogen zur optischen Aufwertung des Modells fehlt leider ganz. Das Testmodell besitzt daher auf selbstklebende Folie ausgedruckte Schriftzüge. Vor dem Einbau der RC-Komponenten lohnt es sich, das Modell einmal testweise zusammenzubauen und auszuwiegen. Seit den ersten Testflügen (siehe Flugeigenschaften) übernimmt ein vierzelliger KANN-1050-Akkupack in der Rumpfnase die Stromversorgung und macht in Verbindung mit dem Cockpitausbau Trimmblei überflüssig. Lange Flugzeiten sind somit trotz der hohen Stromaufnahme der vier Mikroservos kein Problem.


Das Instrumentenbrett besteht aus einem simplen Fotoausdruck

Der Cockpit-Ausbau
Der geräumige Rumpf der Minimoa bietet die für ein Modell dieser Größenordnung eher ungewöhnliche Möglichkeit des Cockpit-Ausbaus. Die Servos können weit unten im Rumpf hinter dem Empfänger platziert werden. Somit entsteht oberhalb ausreichend Raum für eine Pilotenpuppe. Im Testmodell nimmt eine kleine Biegepuppe von Käthe Kruse Platz. Neben der passenden Größe zeichnen sich diese Puppen durch ein mit 17 Gramm recht geringes Gewicht aus. Sie bestehen zudem aus einem Drahtkörper, der leicht in eine passende Körperhaltung gebracht werden kann. Aufgrund der Platzverhältnisse reicht zur Fixierung der Puppe eine kleine Sitzbank aus 2-Millimeter-Balsaholz. Der Fotoausdruck einer Instrumententafel, aufgebracht auf 1,5-Millimeter-Balsaholz, das mit der Kabinenhaube verklebt wird, ergänzt den einfachen Ausbau recht wirkungsvoll. Das Mehrgewicht aufgrund des Cockpit-Ausbaus liegt bei zirka 20 Gramm.


Flugeigenschaften
Der erste Flugversuch verläuft leider nicht ganz zufriedenstellend. Kaum verlässt die Minimoa des Werfers Hand, stürzt sie sich steil den Hang hinab. Auch das beherzte „Durchziehen“ des Steuerknüppels kann den Sturzflug kaum aufhalten. Das nach Bauplanangabe ausgewogene Modell ist extrem kopflastig. Im Laufe weiterer Testwürfe kann der Schwerpunkt um 20 Millimeter (!) weiter zurückverlegt werden. Um knapp 80 Gramm erleichtert, gleitet die Minimoa leichtfüßig die Hangkante entlang. Der Schwerpunkt liegt nun 70 Millimeter hinter der Nasenleiste, an der Flächenwurzel gemessen. Diese zunächst extrem wirkende Rücklage resultiert vermutlich aus der starken Pfeilung der äußeren Flügelbereiche. Im Gegensatz zu den in der Anleitung angegebenen 600 Gramm Fluggewicht bringt das Testmodell gerade einmal 525 Gramm auf die Waage.


Durch die getrennte Ansteuerung von Seiten- und Querruder können sehr saubere, flache Kurven geflogen werden. Die Ruderwirkung ist verblüffend präzise. Das schnelle Ansprechen auf Steuereingaben erlaubt problemlos einfache Kunstflugfiguren wie Looping, Rolle oder Turn. Eher dem Original entsprechend wirkt aber ein etwas behäbigerer Flugstil. Bei ruhigen Wetterlagen bieten langsame Vorbeiflüge an der Hangkante oder enge Kreise und Achten in geringer Entfernung einen groß(modell-)artigen Anblick. Lediglich die Fluggeschwindigkeit wirkt optisch zu flott für den klassischen Oldie. Bei der Landung sollte der Anflug genau passen, da keine Landeklappen zur Verfügung stehen. Auf den Versuch, hochgestellte Querruder als Landehilfe einzusetzen, reagiert die Minimoa recht empfindlich mit starkem Aufbäumen. Diesem kann zwar durch entsprechende Höhenruderzumischung entgegen-gewirkt werden, eine deutlich höhere Sinkrate tritt jedoch nicht auf. Analog verhält es sich mit als Wölbklappen eingesetzten Querrudern. Beide Steuerungsvarianten sind bei der Minimoa daher nicht sinnvoll.

 

Text und Fotos:
Philipp Korntheuer

 

Das Original

Die Göppingen 3 Minimoa der Firma „Sportflugzeugbau Göppingen Martin Schempp“ wurde in den Jahren von 1935 bis 1938 in etwa 100 Exemplaren gebaut und unter anderem nach Japan, Amerika und Südafrika verkauft. Nach der Gö 1 Wolf und dem Doppelsitzer Gö 2 war die Minimoa das dritte von Martin Schempp und Wolf Hirth gebaute Segelflugzeugmuster. Es stellte eine Weiterentwicklung des Segelflugzeugs Moazagotl dar, das bereits 1932 im Auftrag von Wolf Hirth entwickelt und bei den Edmund Schneider Werken in Grunau, dem Hersteller des legendären ESG 31 „Grunau Baby“, als Einzelstück gefertigt wurde. Ebenso wie der Moazagotl besaß die Gö 3 den charakteristischen Knickflügel mit starker Pfeilung im Außenbereich und war mit einem Wasserballasttank zur Verbesserung der Schnellflugeigenschaften ausgestattet. Hauptunterschied zum Moazagotl war die von 20 auf 17 Meter verringerte Spannweite, die dann auch zu der Bezeichnung „Minimoa“ führte.
Die Minimoa zeichnete sich durch
ein sehr eigenstabiles Flugverhalten und für die damalige Zeit sehr gute Flugleistungen aus. So wurde auf
diesem Typ 1937 die Weltmeisterschaft gewonnen und 1938 mit 21.939 Fuß ein Höhenweltrekord für Segelflugzeuge aufgestellt. Neben diesen Erfolgen trug besonders ihr charakteristisches und elegantes Flugbild
zu ihrer großen Beliebtheit bei. Heute existieren weltweit nur noch etwa eine Hand voll flugfähiger Exemplare.

 

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