Aus
seinem Namen aus Buchstaben und Zahlen geht das Wichtigste hervor: Kunstflugmodell,
genannt Leo, für 110er-Viertaktmotoren, fertig gebaut!
Der
Leo ist trotz des Verkaufspreises von zirka 230, Euro kein Billigmodell.
Anhand von fünf Punkten soll dies verdeutlicht werden. Die gesamte Motorträgerkonstruktion
ist durchdacht, aufwändig und stabil aufgebaut. Eine einfache, aber wirkungsvolle,
schwingungsgedämpfte Motoraufhängung liegt bei. Das Seitenleitwerk ist
nicht aufgesetzt, sondern am Rumpf angeformt; das verleiht dem gesamten Leitwerksbereich
eine ordentliche Festigkeit. Motorhaube, untere Rumpfabdeckung und die elegant
geschwungenen Fahrwerksbeine sind aus Kohlefaser hergestellt. Das Flugzeug ist
siebenfarbig mit Bügelfolie bespannt und das Zubehör ist von guter Qualität
selbst ein Inbusschlüssel für die Madenschrauben liegt bei. Der
Begriff ARF ist beim Leo wirklich eins zu eins umgesetzt worden.

Die
untere Rumpfabdeckung wird hinten durch zwei Alu-Dübel gehalten
Im
Einzelnen
Der Rumpf ist eine sehr stabile Holzkonstruktion
mit abgerundetem Rücken und angeformtem Seitenleitwerk. Über dem Flächenausschnitt
sind sämtliche Aufnahmen für Tank, Servos und so weiter bereits vorhanden.
Der aus Sperrholz gefertigte Motorträger ist für die Aufnahme eines
110er-Triebwerks vorgesehen. Es ist jedoch kein Problem, den Ausschnitt zur Aufnahme
des Kurbelgehäuses eines 120er-Viertakters zu erweitern. Wird der Motor auf
dem beiliegenden Schwinggummisystem befestigt und anhand des runden Kopfspants
(Spinners) ausgerichtet, ergeben sich automatisch ein Seitenzug und Motorsturz
von je zwei Grad. Die aus Kohlefaser angefertigte, sehr formstabile und mehrfarbig
lackierte Motorhaube lässt sich mühelos über den vorderen Rumpfabschnitt
schieben. Da die Motorhaube unten offen ist dieser Teil wird später
durch den Rumpfboden mit abgedeckt muss lediglich eine Bohrung für
die Düsennadelverlängerung eingebracht werden.

Die
Kohleteile sind formschön und robust

Die
Abgase werden über Krümmer und Flexrohr zum Herzog-Schalldämpfer
geführt
Bevor das profilierte, voll beplankte
Höhenleitwerk ins Heck eingeklebt wird, erfolgt das Aufsetzen der Tragfläche,
um das Höhenleitwerk genau auszurichten und die Einstellwinkeldifferenz (EWD)
feststellen zu können. Die be-reits bis auf die Querruder fertig montierte
Tragfläche mit einem zwölfprozentigen, symmetrischen NACA-Profil ist
zur Aufnahme eines Einziehfahrwerks vorbereitet. Die vordere Fixierung im Rumpf
übernehmen zwei Alu-Dübel. Im hinteren Bereich wird die Fläche
mit zwei M4-Schrauben gehalten. Sämtliche Ruder werden mit den heute üblichen,
papierartigen C/A-Scharnieren befestigt und sind durch sehr solide Randbögen
gut geschützt. Um später die Geräuschbelästigung niedrig zu
halten und trotzdem genügend Leistung zur Verfügung zu haben, wird an
den OS 120 Surpass III ein Herzog-Schalldämpfer angeschlossen. Beim 40-Millimeter-Durchmesser
des Langdämpfers bleibt nur wenig Platz zwischen Tragfläche und Rumpfabdeckung.
Daher muss in diesem Bereich für genügend Kühlluft gesorgt werden,
damit es im Betrieb zu keiner Überhitzung kommt.

Die
Schlitze sind zur Kühlung notwendig
Der
letzte Schliff
Jetzt steht der Leo bis auf Tank und
RC-Anlage schon fertig auf dem Baubrett. Vor dem Einbau dieser Komponenten werden
sämtliche Holzteile, die später mit Kraftstoff oder Abgasen in Verbindung
kommen, obligatorisch mit Epoxy oder Zwei-Komponenten-Lack versiegelt. Auch wird
die aufwändig gestaltete Folienbespannung an den Kanten nachgebügelt.
Die mit einem Silberrand abgesetzte Kabinenhaube wird mit vier Schrauben an der
vorgesehenen Stelle befestigt. Eine dünne Silikonraupe am Haubenrand sorgt
für gute Abdichtung. Ist alles durchgetrocknet, werden die Servos eingebaut.
Sämtliche Ausschnitte sind für die Standardgröße vorgesehen.
Im rückwärtigen Motorraum sind zwei Servoaufnahmen vorbereitet, aber
noch nicht durchgehend ausgeschnitten. Somit kann die Seite für das Drosselservo
frei gewählt oder ein zweites Servo zur Gemischverstellung eingebaut werden.
Da der OS 120 Surpass III schon aufgrund der Pumpe in jeder Lage problemlos läuft,
wird nur ein HS 81 als Drosselservo eingesetzt. Das Seitenruder wird mit Stahllitze
spielfrei angelenkt. Lediglich die Höhenruderanlenkung ist für einen
F3A-Flieger nicht befriedigend. Die beiden Höhenruder werden mittels Holzrundstab
und zwei abzweigenden Stahldrähten angesteuert. Dies führt, da der Holzstab
im hinteren Teil des Rumpfes nicht mehr gelagert wird, bei seitlichem Auswandern
des Stabes zu geringfügig unterschiedlichen Höhenruderausschlägen.
Eine spielfreie und gleichmäßige Ansteuerung erreicht man durch zwei
Sechs-Millimeter-Kohlerohre als Schubstangen, die parallel am Servoarm des Höhenruderservos
angeschlossen werden. Die beiden Querruder werden schließlich direkt und
spielfrei von den in der Fläche sitzenden Servos angetrieben.

Der
470-Milliliter-Tank liegt im Schwerpunkt
Der
kleine R700-Empfänger von Graupner wird mit Klettband an der Rumpfseitenwand
befestigt. Der 470 Milliliter große Tank liegt genau im Schwerpunktbereich.
Unmittelbar davor wird ein 2.000-mAh-Akku platziert. Der Schwerpunkt liegt damit
exakt in der Mitte des im Plan angegebenen 20 Millimeter breiten Bereichs. Über
die Größe der Ruderausschläge gibt es keine Hinweise. Die hier
angegebenen und erflogenen Werte sind natürlich nur ein Anhaltspunkt, da
die Steuergewohnheiten jedes Einzelnen doch recht unterschiedlich sind:Höhenruder
± 18 Grad; Seitenruder ± 30 Grad; Querruder oben/unten 18 Grad/17
Grad.

Die
Querruder werden mit kurzen Schubstangen direkt angesteuert
Abgehoben
eingeflogen
Natürlich haben wir vor dem
Erstflug auch das Abfluggewicht ermittelt. Obwohl nicht mit jedem Gramm gegeizt
wurde, bleibt der Zeiger der Waage bei erfreulichen 4.200 Gramm stehen. Das ist
immerhin der untere Wert der Baukastenangabe prima! F3A-typisch steht der
Leo jetzt mit recht kleinem Anstellwinkel auf dem Rasen. Ein Wegreißen ist
also nicht möglich; der Flieger muss aus der Dreipunktlage abheben. Mit einer
Flächenbelastung von knapp 80 Gramm pro Quadratdezimeter und dem kräftig
ziehenden 120er-OS ist das Flugzeug aber nach etwa 60 Metern in der Luft. Bei
solch einem Modell gibt es, wenn im Bastelkeller alles richtig gemacht wurde,
beim Erstflug keine Überraschungen es fliegt einfach. Nach der Eingewöhnung
an das neue Modell und der ersten, völlig unspektakulären Landung, geht
es sofort an das eigentliche Einfliegen eines Kunstflugzeugs. Man sollte gerade
bei einem F3A-Modell nicht auf diese Prozedur verzichten. Zuerst dreht sich alles
um Schwerpunkt, Motorsturz, Seitenzug und Ruderstellung. Das Ziel ist es, dass
der Flieger bei mittlerer Geschwindigkeit und korrektem Motorsturz und Seitenzug
eine ganze Weile ohne Steuereingaben geradeaus fliegt. Er darf weder um die Längsachse
rollen, noch um die Hochachse gieren und dabei sollen sämtliche Ruder möglichst
in Neutralposition stehen.

Wie
der Name schon sagt
Das erreicht man
letztendlich durch immer kleiner werdende Veränderungen an den genannten
Einstellmöglichkeiten mit jeweils anschließendem Testflug. Danach geht
es an die Feinjustierung. Im senkrechten Sturzflug (Motor im Leerlauf!) wird überprüft,
ob Schwerpunkt und EWD zusammenpassen. Geht der Flieger mit Ruder in Neutralposition
senkrecht nach unten, stimmt alles. Weiterhin wird mit senkrechten Sturzflügen
überprüft, ob die Maschine bei Querrudereingaben exakt in beide Richtungen
um die Längsachse rollt. Ist dies nicht der Fall, muss durch Änderung
der Differenzierung nachgebessert werden. Die V-Form kann zu guter Letzt in der
Messerfluglage überprüft werden. Der Flieger sollte in dieser Fluglage
zu keiner Seite um die Längsachse rollen. Allerdings rate ich davon ab, bei
solch einem Flugzeug die Fläche auseinander zu schneiden und mit einer anderen
V-Form wieder zusammen zu kleben! Nach all den Einstellarbeiten und Prüfflügen
fliegen Sie jetzt ein Flugmodell, mit dem es einfach nur Spaß macht, exakte
Kunstflugfiguren an den Himmel zu zaubern ohne Übung geht aber auch
hier nichts.

Für
den 120er-Viertakter sind in der unteren Rumpfabdeckung einige Aussparungen notwendig
Eine
gute Wahl
Der Leo 110 ARF ist zwar nur einer unter
den vielen angebotenen F3A-Fliegern, aber aufgrund des Preises im Verhältnis
zu der gelungenen Konstruktion, Bauweise und Ausstattung empfehlenswert. Sicherlich
wird man mit diesem Flugzeug bei einem F3A-Wettbewerb nicht vorne mitmischen können.
Um sich aber mit dieser Kunstflugsparte anzufreunden oder einfach nur perfekten
Kunstflug zu üben, ist dieses Modell die richtige Wahl. Der Antrieb sollte
in der 110er-Klasse liegen, damit für die senkrechten Passagen genügend
Power vorhanden ist. Wird der Motor ohne Pumpe betrieben, muss der Tank wahrscheinlich
weiter nach vorne verlegt werden, um die Zuleitungen zu verkürzen.

Die
mehrfarbige Bespannung macht gerade in der Sonne ein schickes Bild

Trotz
der kleinen 55-Millimeter-Räder mit Verkleidung lässt sich das Modell
auch auf Rasen gut rollen
Messerflug ist eine der leichtesten Aufgaben für den Leo 110