Er kommt aus der Contestline von Multiplex, ist jetzt im Vertrieb bei TANGENT Modelltechnik erhältlich und wird elektrisch angetrieben – der Kranich. Mit 2.850 Millimeter Spannweite und einer Abflugmasse von 2.800 bis 3.300 Gramm ist er recht flott unterwegs.

Die Langsamflugeigenschaften eines „normal“ gebauten Kranichs sind aufgrund der hohen Flächenbelastung etwas kritisch. Leichtbaumaßnahmen mit der daraus resultierenden geringeren Flächenbelastung werden sich durch bessere Thermikleistung, gutmütigere Langsamflugeigenschaften, größere Wendigkeit und eine stressfreiere Landeeinteilung auf engstem Raum positiv auswirken.


Die Antriebseinheit bestehend aus Getriebemotor, Regler und Akku ist im Vergleich zu früher sehr viel leichter geworden

Gewicht ist Geld
Der 1997 gebaute Kranich war mit folgenden Komponenten ausgestattet: Vier Graupner-Servos C-341 in den Tragflächen, zwei C-3341 für Höhe und Seite, Multiplex-PCM-Empfänger, Schulzeregler MCD 31-47 BEC, Ultra 930-7 mit 2:1-Krusegetriebe, Luftschraube 14 x 9,5 Zoll und zehn Zellen. Mit GFK-Winglets an den Flächenenden wog der Kranich beim Erstflug rund 3.300 Gramm. Aber das Gewicht zu reduzieren, heißt es zunächst einmal kräftig in neue Hightech-Produkte zu investieren. Als Motor wird ein Kontronik Fun 480-28 mit 5,2:1-Planetengetriebe eingesetzt (199 Gramm). Dieser treibt eine Aeronaut-Cam-Carbon Luftschraube 16 x 10 Zoll mit einem 47-Millimeter-Meyer-Klemmmittelstück und 40-Millimeter-Carbonspinner (36 Gramm) an. Die Standstromaufnahme mit dem 3s1p Kokam 3.200 beträgt zirka 44 Ampere. Neben den 3s1p Kokam 3.200 (270 Gramm) wird ein 3s2p Konion 1.100 (267 Gramm) als Stromquelle verwendet, damit liegt die Stromaufnahme bei etwa 36 Ampere. Geregelt wird der Motor über einen BEC-Regler Jazz 40-6-12, der über ein getaktetes BEC die Stromversorgung des Empfängers und der Servos zuverlässig und ohne Störungen übernimmt. Der 15 Gramm leichte Schulze-Empfänger 835 arbeitet ohne Störungen. Für das Seitenruder wird ein HS-81-Servo (17 Gramm), für das Höhenruder ein HS-85-MG-Servo (22 Gramm), für die Querruder zwei Dymond-Servos D60 (9 Gramm) und für die Störklappen zwei MS-X2-Servos (9 Gramm) eingesetzt.


Im Modell wurde eine Luftschraube mit Meyer-Klemmmittelstück verbaut

Hinten leichter werden
Nach dem Einbau der leichten Antriebseinheit, des Empfängers und der Servos war klar, dass das Modell zur Einhaltung des Schwerpunkts hinten deutlich leichter werden muss. Hier beginnt die eigentliche Bautätigkeit beim Umbau des Kranichs auf den Kranich-Light. Die 1,5-Millimeter-Stahlschubstangen für das Höhen- und Seitenruder werden gegen 1,5-Millimeter-Kohleschubstangen – die weiterhin in den Bowdenzugröhrchen geführt werden – ausgewechselt. Das ergibt eine Ersparnis von rund 9 Gramm. Das Aushängen der Stahlschubstange für das Pendelhöhenruder und das Einhängen der Kohleschubstange gelingt über eine kleine Öffnung, die im Rumpfhinterteil auf Höhe des Umlenkhebels angebracht wird.

Der Zwei-Millimeter-Metallstift für die Pendelhöhenruderhälften wird durch einen Zwei-Millimeter-Kohlestab ersetzt. Der Drei-Millimeter-Stahldraht wird aus Sicherheitsgründen nicht ausgewechselt. Das Pendelhöhenruder erhält vier kreisförmige Aussparungen, die das Gewicht um weitere 17 Gramm drücken. Randbögen aus Balsaholz geben dem früher kantig ausgelegten Höhenruder eine harmonischere Form. Das Seitenruder erhält auch einige Aussparungen, die das Gewicht weiter reduzieren. Seiten- und Höhenruder werden mit Oracover light scale weiß (36 Gramm pro Quadratmeter) bespannt. Die Stabilität der Leitwerke sowie deren Anlenkungen ist trotz Umbau ausreichend.
Die Wartungsklappe für die Servos wird per Fräse erleichtert, mit einem kleinen Magneten versehen und der Stahlstift durch einen Kohlestift ausgewechselt. Der Empfänger war hinter den Servos auf einem Brettchen gelagert. Dieses wird nun entfernt und der Empfänger bis zur Kabinenhaube umplatziert. Die leichteren Leitwerksservos und der Empfänger helfen die Schwanzlastigkeit zu beseitigen. Die Akkuhalterung besteht aus einer Klettbandschlaufe und Anschlagklötzen. Vorne befindet sich der Akku unter dem Motor und wird so sicher gehalten. Auf der Innenseite der CFK-Kabinenhaube werden die Schiebeverriegelung und die GFK-Zunge entfernt. Der CFK-Stift hält zusammen mit zwei 5 x 5-Millimeter-Magneten die Haube sicher am Rumpf.


So präsentiert sich der eingebaute Antriebsstrang im Rumpf

Erleichterung der Tragfläche
Die Tragflächenverbindung wird, wie im manntragenden Flugzeugbau, über einen schwimmenden Holmverbinder zusammen mit dem Multilock-System von Multiplex ausgeführt. Die elektrischen Verbindungen zwischen Empfänger und Servos sind selbststeckend durch flache fünfpolige Multiplex-Stecker und -Buchsen realisiert. Der 150 Gramm schwere Zehn-Millimeter-Holmverbinder aus Stahl wird durch einen 28 Gramm leichten Kohlestab ersetzt. Die eckige Doppeltrapezform der Fläche wird bei der mittleren Ecke abgerundet und durch zusätzliche Balsarandbögen der geschwungenen Form angepasst. Das kleine Flächenendstück mit Randbogen ist abnehmbar ausgeführt, sodass mit Winglets und Standardflächen geflogen werden kann. Die Steckung mit Drei-Millimeter-Kohlestab und zwei 5 x 5-Millimeter-Magneten hält die Winglets oder Flächenstücke mit Randbogen sicher an der Tragfläche und erlaubt einen einfachen Wechsel. Die vier Graupner-Servos C-341 wurden samt der Plastik-Einbaukästen (15 Gramm) ausgebaut und durch zwei Dymond-Servos D60 für die Querruder und zwei MS-X2-Servos für die Störklappen ersetzt. Zur Versteifung der Oberschale werden die Servos auf einem Balsabrettchen mit Silikon-Kautschuk (Elastosil) verklebt. Durch den Servowechsel und den Ausbau der Servokästen ergibt sich eine Gewichtsersparnis von etwa
90 Gramm.


Hinter den Servos war früher der Platz für des Empfängers, der jetzt unter der Tragfläche sitzt

Die Dymond-Servos D60 sind den Belastungen im Flug absolut gewachsen, immerhin werden diese in Hotlinern eingesetzt. Da der Ruderhebel dieses Servos recht schwach dimensioniert ist, darf das Loch für die Querruder-Gestängebefestigung keinesfalls aufgebohrt werden. Nach dem Landen sind die Querruderanschlüsse immer auf Beschädigungen zu untersuchen. Die Querruder-Schubstange besteht aus einem Zwei-Millimeter-Kohlestab, einem Gabelkopf mit Hülse und 1,3-Millimeter-Stahldraht. Die Anlenkung ist kraftschlüssig und spielfrei.
Die Fläche war zur Lageerkennung oben mit weißem Oracover (89 Gramm pro Quadratmeter) und unten mit fluoreszierendem Oracover-Signalorange (101 Gramm pro Quadratmeter) bespannt. Diese Bespannung musste leichterer Oracover-Folie in light scale weiß oben und light transparent rot unten (beide je 36 Gramm pro Quadratmeter) weichen. Die Änderung der Bespannung ergibt eine Gewichtsersparnis von 68 Gramm.


Die mit dem Fräser erleichterte Wartungsklappe für die
Servos mit der gut erkennbaren Magnetverschlusshalterung

Kranich-Light
Bei einem Fast-Fertig-Modell beschränkt sich das Erleichtern im Wesentlichen auf die Ausstattung. Die zum Teil zeitaufwändigen Umbauarbeiten an Rumpf und Flächen tragen nur zirka zu einem Viertel zur Reduktion der Masse bei. Besonders wichtig sind die Umbaumaßnahmen am Rumpfheck, damit der Schwerpunkt eingehalten werden kann. Die Abflugmasse des Kranichs summiert sich nach dem Umbau auf 2.296 Gramm. Das ist der untere Gewichtsbereich, mit dem Tangent-Modelltechnik den motorlosen Flamingo 2001 angibt! Außerdem ist es ein Kilogramm weniger, als beim Erstflug im Jahre 1997. Dieses Beispiel lässt Erkennen, welch gewaltige Fortschritte in den letzten Jahren bei der Akku-, Regler- und Motorentechnologie gemacht wurden.


Akkuhalterung für den 3s1p Kokam 3200 mit Klettbandhalteschlaufe

Flugeigenschaften
Mit zirka 420-Watt-Wellenleistung für den rund 2.300 Gramm wiegenden Kranich ist das Starten kein Problem. Nach zehn bis 15 Sekunden im zügigen Steigflug erreicht das Modell Ausgangshöhen, die zur Thermiksuche oder für einfache Kunstflugeinlagen ausreichen. Da der Akku eine Kapazität von 3.200 Milliamperestunden, also 192 Ampereminuten hat, sind bei einer Stromaufnahme des Motors von 40 Ampere im Flug über vier Minuten Motorlaufzeit möglich. Flugzeiten von weniger als einer Stunde sind daher selten. Durch die geringe Flächenbelastung ist die Fluggeschwindigkeit des Kranichs niedriger, das enge und weite Auskreisen von Thermikfeldern wird einfacher. Mit dem Kranich sind Standardkunstflugfiguren wie Rollen, Loopings und Rückenflug möglich. Mit kräftigem Anstechen ist sogar eine Vierpunktrolle ausführbar. Selbst bei kräftigem Wind ist der Kranich fliegbar, wenngleich die schwerere Ausführung hier Vorteile hat. Die ansteckbaren Winglets verbessern in engen und steilen Kurven die Flugeigenschaften. Beim Ausleiten aus der Kurve sind sie aber eher hinderlich, da das Modell mit den Winglets gern zum Aufschaukeln um die Hochachse neigt. Die Wendigkeit und die verbesserten Langsamflugeigenschaften machen die Landeeinteilung bei beengten Platzverhältnissen deutlich einfacher und die sehr gut wirkenden Störklappen führen fast immer zu Ziellandungen.


Die Flächenbefestigung ist schwimmend, sie wird von einem Zehn-Millimeter-Kohlestab gehalten und zusätzlich per Multilock gesichert


Rundungen statt Ecken prägen die Flächenform


Zwischen den Steckungsaufnahmen sitzt zur Sicherung ein 5x5-Millimeter-Magnet


Hier die noch unbebügelte Fläche mit eingeschobenem Winglet


Das Querruderservo ist ein D60, hier bereits fertig angelenkt


Die Störklappen werden mit jeweils einem Servo MS-X2 angelenkt, die Bespannung wurde unten zur Lageerkennung mit Oracover light transparent rot bespannt


Schon nach Verlassen der Pilotenhand kann der Elektrosegler mit 420-Watt-Eingangsleistung bei 2.300 Gramm Modellmasse in einen zügigen Steigflug übergehen


Der Kranich ist sehr wendig und zeigt aufgrund des geringen Gewichts Thermik deutlich an


Beim Landanflug sind die sehr gut wirkenden Störklappen eine große Hilfe

Text und Fotos:
Gerhard Hanssmann

Technische
Daten:

Spannweite:
2.850 mm

Rumpflänge:
1.345 mm

Fluggewicht:
2.800 bis 3.300 g

Flächenbelastung:
56 g/dm2
(Herstellerangabe),

Kranich-Light:
46 g/dm2

Tragflächenprofil:
HQ Strack 3,2-11 mod.

Funktionen:
Höhe, Seite, Quer, Störklappen, Motor

Motor:
Fun 480-28 mit 5,2:1-Getriebe

Luftschraube: Aeronaut Cam Carbon 16 x 10 mit 47 mm-Mittelstück

Akku:
3s1p Kokam 3.200 mAh

Standstrom:
44 A

Regler:
Kontronik Jazz 40-6-12

BECSchwerpunkt:
82 mm ab Vorderkante Nasenleiste

Bezug:
TANGENT
Modelltechnik
Industriestraße 24-26
73340 Amstetten
Fax: 073 31/97 16 21
E-Mail:
vertrieb@tangent-
modelltechnik.com
Internet:
www.tangent-
modelltechnik.de

 

 

Multiplex Modellsport

Seit dem 10. Februar 2005 hat Tangent Modelltechnik den Vertrieb der Multiplex-
Contestline-
Modelle übernommen. Dazu gehört der hier beschriebene Kranich, aber auch viele andere bekannte Modelle wie die Alpina, ASH 26, DG 600
Evolution und EuroMaster. Die Firma Tangent ist ein langjähriger Partner von Multiplex und war im Übrigen Hersteller der Hauptkomponenten.

Multiplex hat sich nach dem Durchbruch mit dem Twin Star und dessen Nachfolgern ganz dem Segment der Elapor-
Modellflugzeuge gewidmet. Elapor ist nichts anderes als EPP-Material (expandiertes Polyprophylen). Dieses kann mit allen Lösemitteln behandelt sowie mit Styropor-
Sekundenkleber geklebt werden. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise Flexit für Styropor mit Zusätzen, die dieBruchempfind-
lichkeit herabsetzen. Es kann aber nicht mit Lösemitteln behandelt werden und Sekundenkleber frisst Löcher. Unter den neuen Modellen von Multiplex
findet sich übrigens auch eine Weiterentwicklung des beliebten Twin Star – der Twin Star II.

 

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