Es ist schon seltsam: Manchmal ist man von einem Modellflugzeug sofort und auf den ersten Blick begeistert und möchte es unbedingt besitzen. Bei der Hornet von Graupner war es eher die Liebe auf den zweiten Blick.

Beim Durchblättern des Neuheiten-Kataloges im Frühjahr 2004 nahm ich die Neuauflage dieses Klassikers durch die Firma Graupner einfach mal zur Kenntnis – mehr aber auch nicht. Gegen Ende des Jahres jedoch, beim Teck-Pokalfliegen, lagen mehrere Hornets der Werkspiloten von Graupner einträchtig nebeneinander im Gras und je länger ich mir diesen handlichen Vier-Meter-Segler aus der Nähe betrachtete, desto größer wurde das Interesse daran. Was jetzt kommt, ist jedem eingefleischtem Modellpiloten klar: Dem Verlangen wurde bald darauf nachgegeben.


Der beiliegende Dekorsatz macht aus der Hornet ein farbenfrohes Modell

Vorbild
Die Firma Glasflügel ist einigen sicherlich bekannt durch die Typen Standard Libelle, Club Libelle oder Kestrel. Anfang der 70er-Jahre entwickelte die Firma zwei Typen gleichzeitig:
Die Club Libelle und die Hornet 206. Flügel, Klappen und Leitwerke waren identisch, doch die Hornet war für höhere Geschwindigkeiten und einen Wasserballast von 60 Litern ausgelegt. Dieses Modell sollte ein Wettbewerbssegelflugzeug für die Standardklasse werden. Leistungsmäßig konnte sie mit den Wettbewerbern nicht ganz mithalten, jedoch galt sie als gutmütiges, komfortabel und angenehm zu fliegendes Vereinsflugzeug.


Die Einzelteile sind sehr weit vorgefertigt, der Bausatz vollständig und mit allen
notwendigen Kleinteilen ausgestattet

Bausatz
Die Firma Graupner bringt diesen Segelflugzeugklassiker als weit vorgefertigtes ARF-Modell auf den Markt. Mit genau vier Metern Spannweite ist die Hornet handlich genug für den Hang, mittels Einziehfahrwerk und Schleppkupplung ausgerüstet aber auch schon groß genug für den Semi-Scale F-Schlepp. Der riesige Bausatzkarton enthält wenige, aber sehr weit vorgefertigte Einzelteile und mehrere Tüten mit Kleinteilen. Der hochglänzende und weiß eingefärbte GFK-Rumpf ist von guter Qualität. Die Tragflächenanformung ist nur schwach über zwei plane Flächen links und rechts hinter dem Haubenausschnitt angedeutet. Das Bauteil verfügt über sämtliche Bohrungen zur Aufnahme der Tragflächen, die Muttern für die Befestigung des Höhenleitwerks sind ebenfalls schon in der Leitwerksflosse eingebaut. Die Spanten für den RC- und Fahrwerkseinbau, die Lagerröhrchen zum Anschlagen der Fahrwerksklappen sowie der Abschlussspant ist bereits fix und fertig eingeklebt. Das Messingrohr und die Torsionsstifte zur Flächensteckung wurden leider werksseitig nicht mit in den Rumpf eingeharzt. Dies hätte dem Erbauer das Einmessen der Tragfläche an den Rumpf und dadurch deutlich Zeit und Aufwand gespart.


Die Randbögen liegen als GFK-Teile bei, passen sauber an die Tragflächen und müssen nur noch angeklebt werden. Wahlweise gibt es beim Hersteller zum Modell passende Winglets als Zubehör

Die beiden Tragflächen sind bereits komplett und sauber mit weißer Folie bespannt, die Querruder und Endleisten-Bremsklappen sind leichtgängig und verzugsfrei. Der Profilverlauf und die Oberflächengüte sind für ein Modell mit Styro-Abachi-Flächen sehr gut und ohne Makel.

Ausschnitte für die Servokästen lassen sich unter dem Folienkleid bereits erahnen und das Messingrohr für die Zwölf-Millimeter-Flächensteckung ist bereits eingebaut und mit dem Holm verklebt. Der obligatorische Biegetest der Tragfläche lässt auf einen gut dimensionierten Holm schließen, die Tragfläche biegt sich etwas durch, ohne jedoch weich zu wirken.
Als Profil kommt laut Graupner ein S-3010103 zum Einsatz. Das für diesen Test verwendete Profilprogramm findet in seiner Datenbank ein sehr ähnliches S-3010-103-84 mit 2,85 Prozent Wölbung und 10,33 Prozent Dicke. Dies wird dem verwendeten Profil wohl sehr nahe kommen.


Der Rumpf ist mit allen wichtigen Verstärkungsspanten für Einziehfahrwerk, Servobrett und Seitenruder-Abschlussleiste versehen

Das Höhenleitwerk ist in derselben Machart gestaltet wie die Tragflächen. Mit sauber verschliffener Oberfläche und in weiße Folie verhüllt, kommt es nahezu fast fertig aus dem Bausatz. Das Seitenruder ist ein feines GFK-Teil, sehr leicht und trotzdem nicht zu druckempfindlich. Der Haubenrahmen kommt ebenfalls aus einer GFK-Form, er passt sauber auf den Rumpf und enthält eine kleine, umlaufende Sicke zur besseren Passung. Die Haube ist tiefgezogen und in Rauchglas gehalten, die Oberfläche ohne Schlieren und sehr gleichmäßig.


Bei den Kleinteilen wurde nicht gespart, alle Anlenkungsteile, Teile zur Flächenarretierung, das Spornrad und sogar die Servokästen für die Flächenservos liegen bei

An Kleinteilen sind vielerlei zu nennen: Das Spornrad, alle Teile zur Ruderanlenkung und zur Haubenbefestigung, der Servohalter, um das Seitenruderservo am Einziehfahrwerk zu befestigen, die Tragflächenbefestigung mit deren Torsionsstiften und Röhrchen und vieles andere mehr.


Unter dem gebügeltem Höhenleitwerk sind die Aussparungen für die Servos bereits eingebracht. Die Folie wird mittels Lötkolben ausgeschnitten.
So ergibt sich eine saubere Kante und die Folie wird im Randbereich gleichzeitig mit dem Holz verschweißt

Der Bau
Im Großen und Ganzen ist nur die RC-Anlage einzubauen, die Ruderanlenkungen herzustellen und das Cockpit mit den beigefügten Einzelteilen ein wenig zu verschönern. In diesem Fall wurde kein Einziehfahrwerk eingebaut. Am Haushang bringt ein Modell mit Fahrwerk keine Vorteile und das Haupteinsatzgebiet soll der Hangflug sein. Benutzt man das von Graupner vorgesehene Einziehfahrwerk, müssen lediglich die Fahrwerksklappen ausgeschnitten und angeschlagen, das Fahrwerk eingeschraubt und die Servoanlenkung desselben hergestellt werden. Alles weitere ist vom Hersteller bestens vorbereitet. Auch an einen großzügig dimensionierten Spant, der die Landekräfte auf den Rumpf überträgt, wurde gedacht.


Das Höhenruderblatt ist geteilt, es sind zwei Höhenruderservos vorgesehen.
Damit sich die Servopositionen nicht auf der Oberseite abzeichnen, wurden zwei dünne Sperrholzstreifen von innen in den Servoschacht geklebt

Und los geht´s ...
Begonnen wird mit der Befestigung des Haubenrahmens. Dieser erhält vorne eine Art Aluniete und hinten wird die Haube durch einen Stahldraht, der in einem Bowdenzug läuft, abnehmbar gestaltet. Dieser Bowdenzug endet im Rumpfboden knapp hinter der Tragflächenanformung. Der Stahldraht wird mit einer Messingkugel verlötet, so genügt ein kurzer Griff unter den Rumpf und die Haube kann durch Ziehen an der Kugel geöffnet oder geschlossen werden. Leider war in diesem Fall die Bowdenzughülle, für die nach Plan vorgesehene Austrittsöffnung im Rumpf etwas zu kurz bemessen und musste daher durch ein längeres Exemplar aus der Restekiste ersetzt werden.


Wird der Haubenrahmen ausgeschnitten, müssen Ober- und Unterschale an den Schnittkanten wieder sorgfältig miteinander verklebt werden

Als nächstes sollte das beiliegende Spornrad eingebaut werden. Dazu wird der „Bürzel“ hinten am Rumpf als erstes abgetrennt. Allerdings ist das beiliegende Rad für die Öffnung viel zu klein. Auch hier hilft die Restekiste weiter, aber wenn schon ein Rad dem Bausatz beiliegt, dann bitte doch in der richtigen Größe.


Die beiden Höhenruderservos sind eingebaut, die Anlenkungen fertiggestellt.
Die elektrische Steckverbindung erfolgt über die bekannten MPX Hochstromstecker

Geschlossen oder Scale-like?
Nun muss sich der Erbauer entscheiden: Soll das Modell mit geschlossener Haube oder ein wenig Scale-like mit offenem Haubenrahmen, Instrumentenbrett und Sitzwanne aufgebaut werden? Instrumentenbrett und Sitzwanne liegen dem Bausatz als Kunststoff- und Tiefziehteil bei, die Instrumente müssen gesondert erworben werden. Die Entscheidung fällt auf die etwas aufwändigere, jedoch schönere Variante. Nun kann begonnen werden, den Haubenrahmen auszusägen. Hier wartete eine Überraschung: Die Haubenober- und unterseite sind an der Stelle des Ausschnittes nicht miteinander verklebt. Der komplette Ausschnitt muss nun sorgfältig mit Epoxykleber verschlossen und danach die Nahtstelle wieder verschliffen werden. Das Ausschneiden der tiefgezogenen Cockpitwanne und das Aufkleben von ein paar Instrumenten auf das Kunststoffteil in CFK-Optik sind da noch die kleineren Arbeiten. Das Anpassen der Haube wiederum gelingt sehr schnell, die Außenmaße des Haubenrahmens passen. Das Verkleben und Lackieren des Rahmens schließt den arbeitsintensiven Teil des Baus ab. Das Seitenruder wird mittels beiliegender Anlenkungsteile und dünnen Stahllitzen spielfrei und sicher angelenkt. Das Ruder hat dessen Lagerung bereits eingebaut. Seitenruder auf den Rumpf aufstecken, von oben Alurohr einschieben und fertig.


Das Cockpit wird mit einfachen Mitteln hergestellt, das Instrumentenbrett
aus CFK-Imitat liegt als Kunststoffteil dem Bausatz bei. Aufgelockert wird das
Ganze durch ein paar Instrumente aus dem eigenen Bastelkellerfundus

Das Höhenleitwerk
Das Höhenleitwerk besitzt zwei voneinander unabhängige Ruderklappen. Für dessen Ansteuerung sind von Graupner zwei Servos vorgesehen.
Übrigens, für das komplette Modell werden Digitalservos vorgeschlagen. Dies ist sicherlich keine schlechte Wahl, doch angesichts des schmalen Modellbudget wurden etwas preisgünstigere Exemplare eingebaut, die ihren Dienst bis heute problemlos versehen. Die Leitwerksbefestigung ist bereits fix und fertig eingebaut. Es besitzt zwei Bohrungen für M4-Schrauben, in der Leitwerksflosse des Rumpfes sind die beiden entsprechenden Muttern herstellerseitig eingeharzt. Die Servos für das Höhenleitwerk dürfen eine Dicke von maximal zehn Millimetern besitzen. Die Ausschnitte sind bereits im Leitwerk eingelassen und überbügelt. Um diese Ausschnitte freizulegen, wird in der Anleitung vorgeschlagen, mit dem Lötkolben an den Kanten entlang zu fahren und damit die Folie abzuschneiden und gleichzeitig zu verschweißen. Das funktioniert einwandfrei. Nachdem die Ausschnitte vom Styropor befreit sind, können die Servos eingepasst, die Servokabel verlegt und schlussendlich die Servos eingeklebt werden. Als Anlenkungsteile werden GFK-Ruderhörner verwendet, in Verbindung mit den beiliegenden Gabelköpfen ergibt sich eine spielfreie und stabile Anlenkung. Leider liegen dem Bausatz keine Servoabdeckungen für die beiden Höhenruderservos bei.


Empfängerakku, Schleppkupplungs-Servo und Empfänger wurden weit vorne im Rumpf platziert

Probezusammenbau
Als nächstes wird das Messingrohr für die Aufnahme des Zwölf-Millimeter-Flächenverbinders in den Rumpf eingeklebt. Der Durchbruch im Rumpf wird mit einer Rundfeile gewissenhaft auf Maß gebracht, das Messingrohr durchgeschoben und die Tragflächen links und rechts an den Rumpf angesteckt. Die Torsionsröhrchen und
-stifte nicht vergessen. Nach diesem Probezusammenbau stellt sich heraus, dass die Tragfläche einwandfrei und ohne Spalt an den Rumpf passt, der Anstellwinkel ist bei beiden Flächen derselbe. Jetzt wird alles verklebt und über Nacht gut durchgetrocknet.


Ausgeschnittener Haubenrahmen, montierter Pilotensitz, ein wenig Farbe
und schon sieht das Ganze nach einem richtigen Flugzeug aus. Den praktischen Rumpfhalter gibt es übrigens bei http://www.modellbauservice-finsinger.de. Er ist in der Breite verstellbar, hält den Rumpf gerade und bietet den idealen Halt zum Bau und später auch zum Transport

Endspurt
Der Einbau der Flächenservos sind so etwas wie der Endspurt beim Bau. Nachdem die Folie oberhalb der Servoausschnitte entfernt ist, stellt sich die Frage, wieso für die Landeklappen bereits Servokabel eingezogen sind, für die Querruderservos jedoch nicht und wieso keine verdrillten Kabel eingesetzt werden. Da nun sowieso ein Kabel fehlt, wird das bereits vorverlegte Kabel wieder entfernt und durch verdrillte Litze mit 3 x 0,25 Quadratmillimeter Querschnitt ersetzt. Das Verlöten der Kabel und der Servostecker ist dann eine abendfüllende Aufgabe. Werden die vorgeschlagenen Graupner-Servos verwendet, so findet man im Bausatz passende Servokästen für die Quer- und Landeklappenservos. In diesem Fall aber passten die Servogrößen leider nicht hinein, weshalb die Rudermaschinen mit Schrumpfschlauch versehen und mit der Tragflächenoberseite verklebt wurden. Die Anlenkungen werden wieder mit den beiliegenden GFK- und Stahlteilen erstellt. Eine Besonderheit stellt die Anlenkung der Landklappen dar. Diese werden oben und sehr nahe am Drehpunkt angelenkt. Hält man sich an die Fotos der Anleitung, klappt das ganz wunderbar und man erhält eine funktionelle und spielfreie Anlenkung. Wichtig dabei ist, dass die Landeklappen sehr weit nach unten ausfahren können. Aber auch der Normalstellung sollte ausreichend Beachtung geschenkt werden. Durch den schmalen Spalt in der Grundstellung der Klappen können diese leider nicht nach oben gefahren werden, um zum Beispiel die Querruder ein wenig zu unterstützen. Der Spalt ist so eng, dass man selbst in der Neutralstellung aufpassen muss, dass die Servos nicht ständig gegen die Gestänge und den Klappenanschlag arbeiten. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl ist aber auch diese Hürde zu meistern. Die Querruder werden wie gehabt mit GFK-Ruderhörner und Anlenkungen aus Gabelköpfen und Gewindestangen realisiert.


Der Autor nach dem erfolgreichen Erstflug mit seinem neuen Lieblingsmodell

Das Abdecken der Flächenservos mittels Folie oder den beiliegenden Servoabdeckungen schließt den Bau an den Tragflächen vorerst ab. Apropos abschließen: Die Abschlüsse an den Randbögen der Tragfläche müssen noch angeklebt werden. Diese liegen dem Bausatz als edle und bereits weiß eingefärbte GFK-Teile bei. Die Randbögen haben bereits zwei Messingrohre eingebaut, um die sichere Verbindung zur Fläche zu gewährleisten. Durch die optimale Passung von Styro-Tragwerk und GFK-Schalentechnik bleibt auch hier nicht viel mehr zu tun, als die entsprechende Menge Kleber anzurühren, die Teile miteinander zu verbinden und aufzupassen, dass keine überschüssigen Kleberreste die Oberfläche dieses schönen Gleiters trüben.

Nachdem die Tragflächen mit Servos versehen und die Randbögen angeklebt sind, werden die Servostecker und die Buchsen für die Tragflächenbefestigung im Wurzelbereich der Tragflächen eingeklebt. Die Tragflächenverriegelung haben Schnellkupplungen aus dem Pneumatikbereich. Die „Männchen“ werden in die Wurzelrippen geklebt, die „Weibchen“ mit gefederter Hülse zum Lösen der Verbindung mittels Aluhülse und Gewinde miteinander verbunden. Die eine Fläche wird an den Rumpf geschoben, das Zwischenstück eingesteckt, die zweite Tragfläche ebenfalls aufgeschoben und die Kupplung schnappt zu. Die Tragflächen werden so fest am Rumpf gehalten, durch die massiven Kupplungselemente werden die Tragflächen gleichzeitig gegeneinander abgestützt und halten harte Landestöße der Tragflächen vom Rumpf fern.


Heckansicht: Das Höhenleitwerk wird mittels zweier Schrauben befestigt, das Seitenruder in Voll-GFK-Technik wird mittels Alurohr-Lagerung am Rumpf gehalten

Der letzte Schliff
Nun geht es daran, aus dem weißen Schwan einen Großsegler zu machen. Gemeint ist das Aufbringen des farbenfrohen und großräumigen Dekorsatzes. Dem Bausatz liegt ein großer Bogen mit Aufklebern bei, schnell auf dem Bild des Bausatzkartons abgeschaut und schon können die einzelnen Teile ausgeschnitten und mittels Wasser-Spüli-Lösung an den richtigen Stellen an Rumpf und Flächen platziert werden. Nun das Wasser mittels Spachtel oder Scheckkarte von innen nach außen reiben, die Feuchtigkeit grob abwischen und alles ein bis zwei Tage durchtrocknen lassen.

Zum Bauabschluss erfolgt das Vermessen und Auswiegen des Schwerpunkts. Eingestellt nach der Anleitung (etwa 100 Millimeter hinter der Nasenleiste) wandern zu einem vierzelligen Sanyo RC 2.400 noch 270 Gramm Blei in die Rumpfschnauze. Das Fluggewicht pendelt sich dabei bei 4.528 Gramm ein. Dies ist ein sehr guter Wert, gibt es doch immer noch einige Flugplätze, bei denen es wichtig ist, die Fünf-Kilo-Marke nicht zu überschreiten. Auch mit einem leichten Einziehfahrwerk dürfte dabei das vom Hersteller angegebene Fluggewicht von 4.900 Gramm noch zu erreichen sein.

Die Ruderausschläge werden ebenfalls nach
der Anleitung eingestellt, die EWD mit knapp
1,5 Grad ermittelt und so belassen.


Im langsamen Kreisflug weiß die Hornet ebenso zu überzeugen ...

Der erste Flug
Jeder Pilot ist sehr gespannt auf den Erstflug seines neuen Modells. Leider spielt dann das Wetter nicht immer so mit, wie man das gerne hätte. Doch am Testtag scheint die Sonne und es weht ein gleichmäßiger mittelkräftiger Westwind. Der Hangflug-Gott hat die Stoßgebete erhört und das Einflugwetter für die Hornet geschickt. Das Modell wird zunächst sorgfältig zusammengebaut und kurze Zeit später über die Hangkante befördert. Davor wurde selbstverständlich ein Reichweitentest nicht vergessen, doch dieser zeigte keine Auffälligkeiten. Langsam steuert das Modell die ersten Kreise am Hang entlang, willig folgt die Hornet den Steuerbefehlen und setzt sie zügig um. Schon sind ein paar Meter Startüberhöhung erreicht. Die Ruderabstimmung ist gut, direkt, aber nicht giftig, genauso, wie man es sich wünscht. Gibt man ein wenig Tiefenruder, nimmt die Hornet sofort Fahrt auf und schießt hinaus ins Tal. Dort setzt sie die aufgebaute Geschwindigkeit gut in Höhe um, durch den bauchigen Rumpf ist sie auch in einiger Entfernung noch problemlos auszumachen. Auch draußen trägt es, erst mal wird die Kante großräumig abgeflogen, um Höhe zu
gewinnen.


... wie im dynamischen Segelflug beim überbrücken von größeren Distanzen

Nach ein paar Runden werden 150 Meter Überhöhung erreicht und der Starplatz angesteuert. Jetzt muss die Hornet zeigen, ob sie auch die schnellere Gangart mag. Kurz angedrückt und dann langsam durchgezogen – ein schönen, runden Looping zaubert sie an den Himmel. Die Überfahrt im unteren Scheitelpunkt wird gleich genutzt und die Hornet durch die Rolle geschickt. Okay, nicht vorbildgetreu, aber Spaß macht es eben trotzdem. Hier zeigen sich die Festigkeitsreserven der Tragflächen, nur eine leichte Durchbiegung ist zu erkennen. Die Fahrt reicht noch für einen schnellen Vorbeiflug. Mit etwas Ausgangshöhe soll die Wirkung der Landeklappen erprobt werden. Das Zumischen von Tiefenruder je nach Klappenposition muss sorgfältig erflogen werden, ansonsten gibt es im Landeanflug böse Überraschungen. Der erste Anflug erfolgt dann prompt zu hoch, sodass die Klappen voll ausgefahren werden, die Hornet ist etwas schnell, die Tragflügelenden biegen sich im Außenbereich nach unten. Also doch zuviel Querruder als Butterfly programmiert! Im Schritttempo fliegt die Hornet über der Landepiste und wieder ins Tal hinaus. Der nächste Anflug erfolgt etwas tiefer und mit weniger Klappenstellung. Die Landeklappen wirken zwar gut, jedoch ist das Moment auf das Höhenruder deutlich zu spüren. Hier ist noch etwas Abstimmungsarbeit in der Tiefenruderzumischung notwendig. Nach ein paar Flügen sollte auch dies erledigt sein. Kurz darauf ist das Modell sanft gelandet und liegt wohlbehalten auf der Piste.

Auch bei den weiteren Flügen zeigt sich dasselbe Bild: Die Hornet ist vorbildähnlich im Flugbild, unkompliziert, thermikstark und wendig. Durch das geringe Startgewicht kann sie bei wenig Wind und ohne durchzusacken auch an flachen Hängen problemlos gestartet werden.

Positive Bilanz
Die Hornet von Graupner ist ein wunderschönes Semi-Scale Segelflugzeug in der Vier-Meter-Klasse. Wären da nicht die etwas knifflig einzustellenden Landeklappen, die Hornet hätte das Zeug zum echten Einsteiger-Großsegler. Das Flugverhalten und die Ruderabstimmung sind tadellos, die Leistung jederzeit vorhanden. Nie benimmt sie sich kritisch und das Flugbild ist zeitlos schön.

Text:
Markus Glökler

Fotos:
Markus Glökler
und Oliver Kinkelin

Styro-
Abachi-
Flächen

Die Tragflächen
bestehen
hauptsächlich aus
Styropor und Abachi-
Holz. Dabei wird die
eigentliche Form der
Tragfläche, das Profil und die
Geometrie mit
dem „heißen
Draht“ in einen
Styroporblock
geschnitten. Die
Beplankung der
Tragfläche besteht
aus Abachi-Furnier in
Stärken von 0,5 bis
1,5 Mllimeter, je nach Spannweite
und Hersteller. Zur
Verstärkung der
Tragflächen werden
oft noch Gewebe aus
Glas- und Kohlefaser
zwischen dem
Styropor und das
Abachi-Furnier
eingebracht. Diagonal
eingelegtes Gewebe
erhöht die
Torsionssteifigkeit
der Tragfläche. Um
die Biegekräfte
aufzufangen, wird in
das Styropor in
Spannweiten-
richtung eine
längliche Aussparung
und ein Holm,
wahlweise aus
GFK, Sperrholz oder
auch Gemischt-
bauweise
(beispielsweise
Balsaholz mit CFK-

Schlauch überzogen)
eingebracht. Der Holm, das Furnier,
die Faserver-
stärkungen
und das Styropor
werden meist mit Epoxydharzen verklebt.

Spornrad

Moderne
Segelflugzeuge
besitzen zur
Unterstützung der
Manövrierfähigkeit
am Boden ein
Hauptfahrwerk
(einziehbar oder starr), sowie ganz
hinten im
Rumpf unterhalb der
Seitenruderflosse ein
sogenannes Spornrad. Dieses
unterstützt den
Geradeauslauf und
dämpft die Landestöße
auf den
Leitwerksbereich.

Torsions-
röhrchen/
Torsionsstifte

Die Befestigung der
Tragflächen am Rumpf wird im
Modell auf zwei
unterschiedliche Arten realisiert.

a) Der Tragflächen-
stahl besitzt im
Rumpf eine
Führung aus
Messingrohr.

b) Der Tragflächen-
stahl hat keine
direkte Berührung
mit dem Rumpf.

In beiden Fällen
braucht die Tragfläche
weitere, zusätzliche
Halteelemente, die
die Auftriebs- und
Torsionskräfte der
Tragfläche
aufnehmen
und den Rumpf in der
richtigen Position zur
Tragfläche halten.
Meist werden dazu
runde Stahlstifte
(Torsionsstifte) im
hinteren Bereich der
Wurzelrippe in die
Tragfläche eingeklebt.
Die Tragfläche selbst
wird an dieser Stelle
durch geeignete
Widerlager
(Messingröhrchen
oder Ähnliches)
verstärkt.
Hat der Flächenstahl
keinerlei Führung im
Rumpf, werden statt
einem zwei
Torsionsstifte pro
Tragfläche eingebaut
– einmal im
Endleistenbereich,
einmal im Bereich der Tragflächen-
nase. Als
Gegenlager werden
im Rumpf den
Torsionsstiften
entsprechende
Messingrohre
eingeklebt. Durch die
Lage der
Torsionsröchrchen
lassen sich die
Anstellwinkel der
beiden Tragflächen
aneinander angleichen.

 

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