Die Firma Flühs Winden ist den meisten Segelflugpiloten als Hersteller von hochwertigen elektrischen Hochstartwinden bekannt. Vor einiger Zeit wurde die Produkt­palette auf weitere Starthilfen ausgeweitet und in diesem Zuge ein komplettes Hochstart- und Katapultstartset ins Programm aufgenommen.

Diese Startvorrichtung besteht aus 15 Meter Blackpower-Hochstartgummi (Durchmesser 10 x 4 Millimeter) mit den entsprechend vorbereiteten Endstücken, einem stabilen Erd­anker, 100 Meter Hochstartsteil, 10 Meter Katapultschnur mit eingearbeiteten Ringen sowie einem kleinen Fallschirm, Ausklink­vorrichtung, Großseglerstarthilfe und zwei stabilen Erdnägeln. Als nützliches Zubehör bietet Flühs eine Kunststoffhaspel an, auf die das Hochstartgummi recht bequem aufgewickelt werden kann.


Die von Flühs angebotene Kunststoffhaspel ist ein praktisches Zubehör, um den Gummi Platz sparend aufzubewahren

Schwarzes Gold
Der schwarze Gummischlauch ist hochelastisch und lässt Dehnungen bis 300 Prozent zu. Die Schlauchenden sind sicher vermufft und mit einer Stahlseilschlaufe versehen. Dort sollte sich auch unter hoher Belastung nichts lösen. Das Hochstartseil ist mit 1,4 Milli­meter Durchmesser üppig dimensioniert und hält daher auch hohen Zugkräften stand. Der Erdanker ist aus einem verzinktem Stahl-L-Profil gefertigt und besitzt im oberen Bereich einen Bolzen, in den die Schlaufe des Hochstartgummis eingehängt werden kann. Da der Bolzen nach oben hin offen ist, kann das Hochstartgummi im Bedarfsfall nach oben herausrutschen. Modellbeschädigungen durch ein nicht abgeworfenes Katapultseil gehören der Vergangenheit an. Die Kata­pultschnur besteht aus rotem geflochtenem Seil mit
4 Milli­meter Durchmesser. Es ist in der Mitte und an seinen Enden mit ver­schweiß­ten Ringen versehen. Ein Ende dient zur Befes­ti­gung am Katapultgummi, das zweite mit Gewicht und Fallschirm zur Befes­tigung an der Auslösevorrichtung. Am Ring in der Mitte wird das zu startende Modell eingehängt.

Die Ausklinkvorrichtung ist größtenteils aus Aluminium hergestellt, der Bolzen zur Befestigung aus Stahl. Über zwei Erdnägel wird die Alugrundplatte am Boden fixiert und besitzt eine drehbar gelagerte Wippe. Diese wird durch eine Druckfeder in ihrer Ausgangsstellung gehalten. Der hintere Teil der Wippe übernimmt die Funktion des Fußtasters. Der Vordere taucht über ein Langloch in den Stahlbolzen ein, schiebt bei Betätigung den dort eingehängten Ring der Katapultschnur nach oben weg und gibt somit den Start frei. So viel zu den einzelnen Teilen dieser umfangreichen Hochstart- und Katapulteinrichtung.


Hochstartvorrichtung
Für den Einsatz als Hochstartvorrichtung verbinden wir das Blackpower-Gummi mit dem 100-Meter-Nylonseil sowie dem Fallschirm. Der Erdnagel wird eingeschlagen und das Gummi daran befestigt. Dann sind das Modell startklar zu machen und das Gummi je nach Modellgewicht auf 100 bis 250 Prozent Dehnung auszuziehen. Modell gerade halten und ab geht’s nach oben. Das Gummi entwickelt einen gleichmäßigen, lang anhaltenden Zug und bringt das Modell zügig auf Höhe. Sowohl kleinere wie etwa der Big-Floh von Schmierer (2.300 Milli­meter Spannweite, 1.200 Gramm Gewicht) als auch F3B-Modelle (3.200 Millimeter, 2.200 Gramm) erreichen respektable Höhen. Wird die Dehnung des Gummis nahezu vollständig ausgenutzt, können selbst größere Flugzeuge mit bis zu 4 Kilogramm Flugge­wicht in thermikverdächtige Höhen beschleunigt werden.


Katapultstart
Beim Katapultstart ist es das Ziel, das Modell auf Geschwindigkeit zu bringen. Diese Startart wird hauptsächlich bei Großseglern am Hang oder bei schweren Elektroseglern in der Ebene angewendet. Je nach Modellgewicht (3 bis 6 oder 6 bis 15 Kilo­gramm) wird das Hochstartgummi einfach oder doppelt ausgelegt. Bei der doppelten Aus­legung spannt man den Gummistrang nicht parallel nach vorne, sondern etwas V-förmig nach links und rechts ab. Dies hat den Vorteil, dass bei einem Riss des Strangs dessen loses Ende nicht direkt in Richtung Modell oder Pilot, sondern leicht schräg daran vorbeifliegt und so niemanden verletzen kann. Zur sicheren Befestigung im Erdreich werden die beiden Erdnägel tief in den Boden eingeschlagen. Damit das Startseil bei doppelter Aus­legung genau mittig mit dem Gummi­strang verbunden ist, liegt dem Katapultset ein Schäkel bei, dessen Querschraube in eine Metallhülse gefasst ist. Dadurch kann der Gummistrang leichtgängig hin und her gleiten und sich auf die Mitte ausrichten.

Das Startseil wird am Schäkel eingehakt und nach hinten ausgezogen. Ist genügend Vor­spannung erreicht, wird die Ausklinkvor­richtung ebenfalls mit Erdnägeln im Boden verankert und der Ring nicht oben aufgelegt, sondern in der Wippe zwischen der Aus­sparung eingehängt. Jetzt ist das Katapult erst einmal sicher und gespannt. Im nächsten Schritt wird das Modell so platziert, dass sich der Ring vom Startsteil einhängen lässt und das Seil gespannt bleibt. Seitlich kann nun noch die Großseglerstarthilfe platziert werden, damit die Tragfläche während des Startvorgangs gerade gehalten wird. Nach einem kurzen Rudercheck wird die Ausklink­vorrichtung betätigt und das Startseil frei­gegeben. Der Gummistrang zieht sich zusammen, das Modell beschleunigt und hebt vom Boden ab. Sobald es über die Startvorrich­tung fliegt, fällt das Startseil nach hinten aus dem Katapultstarthaken des Flugzeugs heraus. Der eigentliche Flug kann beginnen.


Der komplette Lieferumfang der Hochstart- und Katatpultvorrichtung von Flühs Winden

Bungeestart
Es gibt auch Piloten, die mit dem Katapult­start­system ihr F3B/F3F-Modell in der Ebene horizontal beschleunigen, dann mit dem Überschuss an Fahrt nahezu senkrecht steigen und so teilweise bis zu 100 Meter Höhe oder mehr erreichen. Auch bei unsicheren Bedingungen im Gebirge kann dieser Start für eine Art Höhenpolster sorgen, sodass man auch in dieser Situation mit nur einem Modell auskommt und kein extra Elektromodell mitschleppen muss. Der Vorteil im Vergleich zum Hochstart ist, dass das nötige Equipment und der Platzbedarf sehr gering sind. Nach­teil: Im Modell muss ein extra Start­haken eingebaut sein. Dieser muss, wie beim Kata­pultstart, deutlich weiter vorne sitzen als ein Hochstarthaken, da das Modell möglichst horizontal beschleunigen soll. Der Start mit Letzterem ergäbe ein stark aufrichtendes Moment, was in diesem Zusammenhang ja nicht gewollt ist. Die Flitschenstartvor­rich­tung besteht nun wieder aus dem Erdanker, dem Blackpower-Gummiseil sowie ein paar Meter Nylonseil samt Fallschirm. Durch den weiter vorne sitzenden Katapulthaken wird das Modell bei dieser Startart vorerst nur horizontal beschleunigt und erst nach dem Ausklinken durch einen Höhenruderaus­schlag nach oben gezogen.


Links ist die Großseglerstarthilfe zu sehen, darunter der Fallschirm und die Auslösevorrichtung. Rechts im Bild das rote Katapultstartsteil sowie der kräftige Blackpower-Gummi samt Erdanker

Ergänzungen
Im Zusammenhang mit dem Hochstart- und dem Katapultsystem bietet Flühs eine kleine Hoch­startwinde vom Typ MiniMaxi G28 an, die dann das Vorspannen des Gummis übernimmt. Das Blackpower-Gummi wird in V-Form ausgelegt und auf der einen Seite über einen Erdnagel befestigt, das andere Ende des Gummistrangs wird mit dem Windenseil verbunden. Damit das Katapult vom Startplatz aus bedient werden kann, muss die Umlenkrolle der Winde am anderen Ende des V-förmigen Aufbaus platziert werden. Bedient man nun die Winde und zieht das Seil ein, so spannt sich der Gummistrang und das Modell kann über die Ausklinkvorrichtung gestartet werden.
Noch einfacher geht es mit der zusätzlich erhältlichen, automatischen Ausklinkvorrichtung. Diese hält das Startseil bis zu einer einstellbaren Kraft aufrecht. Wird die eingestellte Kraft überschritten, gibt die Ausklinkvorrichtung das Seil augenblicklich frei. Somit lässt sich der Katapult­start nur noch über die Bedienung der Winde steuern und wird nochmals vereinfacht. Im Detail: Der Kipphebel ist drehbar auf einer Alugrund­platte gelagert. Dieser Kipphebel ist mit einem stabilen Stahlhaken ausgestattet, in den das Seil eingehängt wird. Durch zwei Zugfedern wird der Kipphebel in seiner hinteren Ausgangsstellung gehalten. Die Kraft­angriffspunkte der Federn am Hebel sind veränderbar, wodurch sich die Löse­kraft variieren lässt. Sobald die Kraft am Startseil die eingestellte Lösekraft überschreitet, kippt der Hebel schlagartig nach vorne und gibt es frei.


Die Funktion des Sicherheitsabspannstabs im Detail, die Schlaufe wird lediglich oben eingelegt. Löst sich das Startseil, aus welchem Grund auch immer, nicht vom Segler, kann es nach oben ausweichen und sich so vom Abspannstab trennen

Praxistest
Als Erstes wurde die Hochstarteinrichtung ausprobiert. Durch die optionale Kunststoffhaspel für das Gummiseil ist der Auf- und Abbau schnell erledigt. Entsprechend Modellgröße und -gewicht wird das Blackpower-Gummi vorgespannt, hier muss man sich langsam herantasten. Vom leichten EasyGlider von Multiplex über F3B/F3J-Modelle bis hin zum aufballastierten Euro­master mit etwa 4 Kilogramm Gewicht haben wir es ausprobiert. Der Hochstart brachte auch bei wenig Wind immer ausreichend Höhe, um auf Thermik­jagd zu gehen.


Der Schäkel ist extra mit einer Hülse ausgestattet, damit sich
das Gummi mit möglichst wenig Reibung mittig ausrichten kann

Auch der Flitschenstart mit 15 Meter Gummi und weiteren 10 Meter Nylonseil wurde mit einem F3B-Modell probiert. Hier zeigte sich die große Energiemenge, die das Gummiseil aufnehmen kann. Auch mit wenig Übung in dieser Startart wurde eine gute Ausgangshöhe erreicht. Der Katapultstart vom Großsegler am Hang war ebenso problemlos. Equipment aufbauen, Gummi spannen und in Ausklink­vorrichtung einhängen, Großsegler platzieren, Tragfläche in Flächenhalterung einlegen, Seil einhängen, Rudercheck und ab geht die Post hinaus über die Hangkante.


Der Crossfire ist normalerweise an der F3B-Winde zu Hause. Aber auch mit der Gummiseil-Hochstartvorrichtung sind gute Höhen erreichbar

Katapultstart
Der Katapultstart mit Gummiseil, Winde und automatischer Ausklinkvorrichtung hört sich zunächst etwas komplex an. Dies ergibt aber auf jeden Fall Sinn, wenn mehrere Modelle und einige Startvorgänge hintereinander zu machen sind. Dabei wird die kleine Winde dazu benutzt, das Gummiseil für die Start­vorrichtung zu spannen. Das macht den Katapultstart auf jeden Fall weniger kräftezehrend für die Helfer und zudem noch sicherer. Der Startvorgang läuft dann im Detail so ab: Die Winde wird betätigt, spannt zuerst das Nylon- und dann das Startgummi. Wird eine ausreichend hohe Zugkraft erreicht, klinkt die Vorrichtung aus und gibt das Startseil frei. Der Gummizug wirkt auf das Modell, beschleunigt es und bringt es so sicher über die Hangkante.


Start des Expresso von Schmierer. Durch
die hohe Zugkraft kann das Modell recht steil abgeworfen werden

Bei diesen unterschiedlichen Startarten hat sich das Flühs-System während der relativ langen Testphase immer von seiner besten Seite gezeigt. Die hochwertige Verarbeitung, die Verwendung langlebiger Werkstoffe und die durchdachte Konstruktion lassen einen für alle Fälle gerüstet sein, um das Modell zu starten. Gerade solche Details wie die Kunst­stoffhaspel oder die Starthilfe für Großsegler erleichtern die Handhabung ungemein und machen noch mehr Lust auf den Start mit Gummi. Probieren Sie es aus – es ist einfacher als Sie denken.


Auch mit dem Big-Floh von Schmierer hatte die Startvorrichtung keinerlei Probleme. Lediglich die Ausziehlänge muss an das Modellgewicht angepasst werden, um Leichtwindsegler nicht zu überlasten

Multitalent
Das Katapult- und Hochstartsystem von Flühs besteht aus hochwertigen, gut aufeinander abgestimmten Komponenten. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom einfachen Gummiseilhochstart im Flachland mit leichten Seglern bis zum Katapultstart von Mo­dellen mit mehr als 10 Kilogramm Flug­gewicht im alpinen Gelände. Im Praxis­test bestach das Set durch Robustheit, alle Komponenten waren leicht zu bedienen und praxistauglich.

Technische Daten
Die Hochstart- und Katapultvor­richtung besteht aus:

  • 15 m Blackpower-Gummi, Durchmesser 10 x 4 mm
    (max. Dehnung 300 %)
  • Sicherheitsabspannstab mit Querstab und nach oben
    offener Sicherheitsöse
  • Seil, 1,4 mm x 100 m
  • Schäkel mit Dreheinrichtung für doppelte Auslegung und Karabinerhaken
  • F3B-Fallschirm, Durchmesser 200 mm mit Wirbellager,
    Zugkraft 1,5 kN
  • Katapultseil, Durchmesser 4 mm, 10 m lang mit drei verschweißten Stahlringen
  • Großseglerstarthilfe zur Ausrichtung der Tragfläche, höhenverstellbar
  • Ausklinkvorrichtung mit Abspannstäben, Verriegelung über fußbetätigte Wippe

BEZUG
Flühs Winden
Neustraße 21
44623 Herne
Telefon: 023 23/518 33
Fax: 023 23/513 77
E-Mail: fluehs-winden@onlinehome.de
Internet: www.fluehs-winden.de
Preis: Hochstart- und Katapultstartset 239,– Euro
Bezug: direkt


Die Alpina 5001 Pro von Tangent wurde mit einem Flitschenhaken
für den Katapultstart ausgestattet. Die Position des Hakens muss
deutlich weiter vorne als die normale Hochstarthakenposition gewählt werden


Das Startwerkzeug liegt zum Aufbau bereit


Der Gummi ist V-förmig ausgelegt und gespannt, die Auslösevorrichtung „scharf“. Jetzt wird noch die Großseglerstarthilfe angebracht, um die Tragflügel während des Startvorgangs gerade zu halten. Bei Seitenwind sollte die dem Wind zugewandte Tragfläche etwas tiefer positioniert werden, damit der Wind
weniger Angriffsfläche hat


Die Auslösevorrichtung ist ganz einfach mit dem Fuß zu bedienen


Bei der Spalinger 18 II wurde der Katapultstarthaken sehr weit vorne am Rumpf angebracht. Weiter hinten wäre der Haken mit der Landekufe kollidiert


Startsequenz der Spalinger 18 II. Der Gummi zieht an, beschleunigt das Modell auf Abhebegeschwindigkeit und mit ein wenig Höhenruderausschlag hebt es ab

Text:
Markus Glökler

Bilder:
Martina Baier,
Oliver Kinkelin,
Markus Glökler

 

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in Segel-Modellflug-Praxis
Das komplette Inhaltsverzeichnis
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

© Wellhausen & Marquardt Medien 2008