Sind Elektroflieger vielleicht wettbewerbsmüde? Zumindest schien es lange so, als ob Elektrowettbewerbe vollkommen „out“ wären. Man trifft sich zu zwanglosen Meetings ohne Pflichtprogramm, jeder Pilot inszeniert die eigene Kür. Das konnte das DMFV-Sportreferat Elektroflug natürlich nicht davon abhalten, im Jahr 2007 gleich zwei Elektroschleppwettbewerbe anzubieten. Und obgleich die Wettbewerbsvernarrtheit nun wirklich nicht Sache der Elektroflieger scheint,
erfreute sich dieses Vergleichsfliegen stetig wachsender Teilnehmerzahlen.
Vielleicht lag es ja gar nicht an den Elektrofliegern, sondern einfach nur daran, dass die klassischen Wettbewerbe selbst – meist auf dem Zeitfliegen und Punktlanden von Elektroseglern basierend – im Laufe der Jahre an prickelnder Attraktivität verloren haben. Die Weiterentwicklung der Wettbewerbsregeln hält, das scheint beinahe naturgesetzlich, nur selten mit der Technik Schritt. Denn ein interessanter Modellflugwettbewerb fordert neben großem Können und guter Taktik auch das verwendete „Material“ heraus. Und da ist man, die Antriebstechnik betreffend, beim Elektroseglerschlepp von Langeweile im Sinne eines „kann und hat doch jeder schon“ definitiv noch ein gutes Stück entfernt.

Modellflug und Jugend
Brushless-Fahrstuhl
Zwar ist es längst keine Hexerei mehr, ein Demo-Seglerchen mit einem elektrisch angetriebenen Hochdeckermodell einmal auf Thermikhöhe zu liften. Doch wenn man so etwas mit real existierenden Viele-Meter-Seglern versucht, wird daraus oftmals schon eine äußerst schwammige Angelegenheit. Heutige Seglerpiloten sind einfach verwöhnt von jenen Liftanlagen, die dank großvolumiger Benzinmotoren selbst nahezu Unfliegbares mit der Brachialgewalt ihrer 28-Zoll-Propeller in wolkige Höhen wuchten.
Nun ist es zwar keineswegs so, dass derartiges auf elektrischer Grundlage unmöglich wäre, doch dauert die anschließende „Tankpause“ dann noch deutlich zu lange. Mit anderen Worten: Ein Elektroschlepper muss immer noch mit der Energie haushalten können (und passt damit optimal in die heutige Zeit) und soll die gängigen Segler mit einer Batterieladung möglichst oft auf ausreichende Höhe bringen. Sonst hat er vielleicht die Flugtags-, nicht aber die Flugplatzreife! Das Reglement des DMFV-Seglerschleppwettbewerbs wurde daher auf den praxistauglichen Elektroschlepper zugeschnitten (Ausschreibung auf www.elektromodellflugpraxis.de). Allerdings ist einzuräumen, dass die Verfügbarkeit von kapazitätsstarken LiPos die Möglichkeiten auch hier deutlich erweitert haben. Da der Wettbewerb aber in seiner Grundstruktur noch zu Zeiten entstanden ist, als Akkus auf Nickelbasis noch täglich Brot waren, wird man auf mittlere Sicht nicht umhinkommen, die Anforderungen entsprechend anzupassen. Hoffentlich ohne damit gleich eine Materialschlacht einzuleiten. Gerne nimmt der Autor entsprechend konstruktive Anregungen
aus dem Kreis interessierter Wettbewerbsteilnehmer entgegen.

Der Schlepper setzt unter den gestrengen Augen des Punktrichters
zur Landung an
Schlepp in Hengen
Ein bisschen hat man in Bad Urach-Hengen schon Erfahrung mit Wettbewerben dieser besonderen Art, schließlich war im Jahr zuvor schon ein „baugleicher“ Wettbewerb durchgeführt worden. Bei allerbestem Sommerwetter trafen sich am 1. Juli 2007 am Rand der Schwäbischen Alb 18 Piloten, um in vier Durchgängen das Siegerteam zu ermitteln. Günstige Thermikbedingungen an diesem Sommersonntag nahmen dem Wettbewerb nichts von seiner Spannung, sorgten aber dafür, dass die Punktestände der Spitzenpiloten stets nah beieinander lagen. So blieb es interessant bis zum Schluss. Glückliche Gewinner waren das Team Luz Napiwotzki (Segler) und Michael Sukowsky (Schlepper). Pech hatten die Letztplatzierten Jochen Deuschle (Segler) und Eberhard Schaal (Schlepper), die leider wegen eines Fahrwerksschadens vorzeitig aufgeben mussten.Insgesamt zeigte sich, dass alle angetretenen Wettbewerbsteilnehmer in der Lage waren, das Gespann viermal mit einer Batterieladung so weit auf Höhe zu bringen, dass die geforderte Gesamtsegelflugzeit von durchschnittlich
300 Sekunden problemlos erreicht werden konnte. Der Wettbewerb ist übrigens so strukturiert, dass Gespanne mit einem im Verhältnis zur Schleppmaschine schweren Segler durch eine kürzere Sollflugzeit belohnt werden, was bei thermikarmer Witterung einem Punktebonus gleichkommt.

Landung im Feld bringt Zusatzpunkte
Außer Konkurrenz, aber zum Erstaunen der anwesenden Teilnehmer und Zuschauer, zeigten Walter Hertfelder und Gerry Frans mit ihrem 9-Meter-Gespann, dass Elektroseglerschlepp – losgelöst vom Flugplatzalltagsgeschehen – auch schon in Schuhgröße 52 zu haben ist. Den Teilnehmern scheint es gefallen zu haben, denn fast alle wollen im nächsten Jahr wiederkommen, wenn möglich in Begleitung neuer Interessenten. Der Erfolg ist nicht zuletzt auch der engagierten Arbeit und der gut funktionierenden Organisation seitens der Mitglieder des MFC Bad Urach-Hengen zu verdanken.

Dieses Modell nahm außer Konkurrenz teil
Dr. Rubin
Eigentlich war der verstorbene Dr. Rubin von Verbrennungsmotoren fasziniert. Er vermachte seine unvorstellbar umfangreiche und hochwertige Sammlung dem Deutschen Segelflugmuseum mit Modellflug auf der Wasserkuppe (www.segelflugmuseum.de). Eine Auflage war: Es sollte ein Modell-Motorflugwettbewerb auf der Wasserkuppe stattfinden. Vermutlich hatte der Vermächtnisgeber seine Rechnung ohne den Naturschutz gemacht. So brachte er Theo Rack, den Vorsitzenden des Museumsvorstandes, notgedrungen auf einen famosen Gedanken: Motor-, das heißt heute doch auch Elektromotor. Die Idee eines Elektroseglerschlepp-Wettbewerbs auf der Wasserkuppe, 1.000 Meter über dem Meer und mitten im Biosphärenreservat Rhön gelegen, war geboren. Es mussten dann lediglich noch die zuständigen Behörden in Fulda sowie die örtliche Gesellschaft zur Förderung des Segelflugs auf der Wasserkuppe für den Plan begeistert werden. Der Autor dieses Berichts, beim DMFV für Elektroflugsport zuständig, war relativ mühelos zu überzeugen!

Der Parc Fermé: Dort müssen alle Modelle nach der Registrierung geparkt werden, damit nichts verändert oder „nachgetankt“ werden kann
Zum Wettbewerbstermin für den Elektroschlepp am 22. Juli 2007 schien es zunächst einmal so, als seien alle Vorbereitungen umsonst gewesen. Wetterprognose katastrophal, beim morgendlichen Eintreffen auf der Wasserkuppe 10,5 Grad (immerhin plus), eine Autolänge freie Sicht. Doch Kenner des Waku-Wetters blieben optimistisch – und behielten Recht! Gegen 10 Uhr, pünktlich zum angesetzten Wettbewerbsbeginn, gönnte die Sonne den aus der ganzen Republik angereisten 20 Teilnehmern schon mal erste lichtblitzartige Beweise ihrer Noch-Existenz, um dann gegen 11 Uhr endgültig die Regie zu übernehmen. Es blieb, für die Wasserkuppe nicht ungewöhnlich, ein böig strammer Hauch aus Westen, der drachenähnliche Steigflüge der Schleppzüge über der asphaltierten Startstelle – dem Hilfslandplatz „Weltensegler“ – möglich machte. Kaum ein Teilnehmer fand an diesem Tage hinreichend Hangaufwind (dieser hätte aus Süden kommen müssen), um ohne Anstrengung das Zeitflugziel zu erreichen. Firmen wie Graupner, robbe und Blue Airlines hatten Teams entsandt und – wie auch Jamara – wertvolle Sachpreise gestiftet.
| Elektroschlepp-Wettbewerb in Hengen 2007 |
| Team |
Startnummern |
Punkte |
| Sukowski/Napiwotzky |
25/5 |
1.666 |
| Genkinger/Bauer |
28/8 |
1.632 |
| Kuhn/Blümle |
23/3 |
1.584 |
| Hövemeyer/Sailer |
27/7 |
1.563 |
| Schöttner/Selinka |
22/2 |
1.552 |
| D. Eisenmann/F. Eisenmann |
29/9 |
1.457 |
| Hellwig/Clus |
24/4 |
1.438 |
| Deuschle/Schaal |
21/1 |
1.187 |
| Frans/Hertfelder |
10/38 |
außer Konkurrenz |
Seine Bewährungsprobe in Sachen Toporganisation bestand an diesem Tage auch das Team des DMFV-Jugendlagers. Ein weiterer Beweis der glückhaften Jugendarbeit des Modellflug-Dachverbands. Die Jugendlichen im Alter von zwölf bis 16 Jahren übernahmen unter anderem Aufgaben als Zeitnehmer, Pilotenbetreuer und Senderverwalter. Der gleichfalls anwesende Leiter des Biosphärenreservats Rhön, Otto Evers, lobte das Eintreten der Modellflieger für Umweltschutz im Sinne optimaler Energienutzung. Vielleicht ein hoffnungsvolles Signal für eine sich anbahnende Klimaveränderung zwischen Naturschutz und Modellflug?

Auch Tiefdecker können als Schlepper eingesetzt werden,…

… doch noch beherrschen die Hochdecker das Feld
Dr.-Rubin-Elektroschlepp-Wettbewerb
auf der Wasserkuppe 2007 |
| Team |
Startnummern |
Punkte |
| Grzymislawska/Koch |
4/24 |
1.598 |
| Bechmann/Rodemer |
9/29 |
1.432 |
| Makowe/Sindermann |
8/28 |
1.321 |
| Schasse/Awiszus |
3/23 |
1.215 |
| Brandt/Weth |
2/22 |
1.194 |
| Grzymislawska/Prill |
5/25 |
1.056 |
| Bopp/Bopp |
7/27 |
694 |
| Grzymislawska/Grzymislawska |
6/26 |
582 |
| Günther/Zoch |
1/21 |
305 |
| Sukowski/Napiwotzky |
10/30 |
60 |

Bei den Seglern dominieren noch die Zweckmodelle…

… doch Vorbildtreue wird getrennt bewertet
