Das Warten hat ein Ende. Nach fast einem Jahr sind Kyoshos Modelle der Red Bull Air Race-Serie endlich erhältlich. Im Angebot sind drei Flugzeuge unterschiedlicher Größe und Bauweise. Wir werfen einen Blick auf die goldene Mitte, die EPP-Edge 540. Passend zum Air Race ist das Modell auch etwas für Eilige. Es wird komplett ausgebaut geliefert und steht in weniger als einer Stunde auf der Startbahn.
Seit 2003 messen sich internationale Top-Piloten beim Red Bull Air Race in ihrer Geschicklichkeit. Jedes Jahr finden weltweit mehrere Rennen statt, bei denen die Piloten ihre Maschinen durch Pylone manövrieren müssen. Wer die Formel 1 im deutschen Privatfernsehen verfolgt, kennt die Zusammenfassungen der Luftwettkämpfe, die meist vor den Autorennen quasi als Anheizer übertragen werden.

Hier ist Nacharbeit gefordert: Die Verbindungen sind nicht ausreichend isoliert
Péter, der Pate
Sehr detailliert lackiert kommt das Modell beim Piloten an. Logo und Schriftzug des Herstellers der Aufputschbrause heben sich deutlich vom dunkelblauen Untergrund ab. Am Cockpit ist der Name Péter Besenyei zu lesen. Der Initiator des Red Bull Air Race trägt in der Szene den Spitznamen „Godfather“ – der Pate. Eine Edge 540 fliegt er zwar nicht mehr. Er probierte zwischenzeitlich eine Extra 300 SR aus und fliegt in der aktuellen Saison eine MXS-R. Doch die Lackierung der Maschine hat sich nicht verändert. Und so ist das Modell eine gelungene Hommage an den legendären Profipiloten.

Ein kraftvoller Außenläufer ist eingebaut und sorgt für ordentlich Power
Schaum durch vier
Ganz zeitgemäß besteht das Modell aus einer Art expandiertem Polypropylen (EPP). Im Gegensatz zu expandiertem Polystyrol (Styropor) ist EPP in der Lage, sich nach einer Verformung wieder in die ursprüngliche Form zurück zu bewegen. Schaummodelle werden dadurch nahezu unzerstörbar.
Schaumteile finden sich nur vier im sicheren Transportkarton: die einteilige Tragfläche, der Rumpf und die beiden Leitwerke. In Tragfläche und Rumpf befinden sich bereits die Rudermaschinen. Die Querruder sind fertig angeschlossen und vorjustiert, in der Nase sitzt ein kraftvoller Außenläufer. Luftschraube und Spinner liegen bei. Das komplett aufgebaute Hauptfahrwerk und eine Montageanleitung in gewohnt klarer und detaillierter Kyosho-Manier runden den Lieferumfang der hier in Augenschein genommenen ARF-Version ab. Die Edge 540 ist aber auch RTF zu haben. Dann liegen noch ein Akku und ein Balancer-Ladegerät zum Anschluss an den Zigarettenanzünder bei. Die Servos sind an einen 2,4-Gigahertz-Empfänger angeschlossen und ein passender Sender ist auch im Karton. Das alles ist für gerade einmal 50,– Euro Aufpreis zu bekommen.

Der Regler befindet sich bereits an Bord. Er arbeitet zuverlässig. Eine technische Dokumentation liegt nicht bei
Minutenmontage
Schnell wird klar: Viel zu montieren gibt es hier nicht. So ist die Arbeit im Hobbykeller in weniger als einer und höchstens zwei Stunden inklusive Senderprogrammierung erledigt. Am Wohnzimmertisch geht das übrigens auch, denn zu kleben gibt es an der Edge 540 nichts. Das Seitenleitwerk wird ins Höhenleitwerk und dann in den Rumpf gesteckt. Ein eingestecktes Kunststoffteil sichert die Sache. Keine Sorge, das hält – auch wenn man's in der Luft ganz wild treibt. Höhen- und Seitenrudergestänge werden an die Servos angeschlossen und die Arbeit am Heck ist beendet. Das Spornfahrwerk ist bereits komplett eingebaut. Der Fahrwerksdraht ist vielleicht etwas zu dünn gewählt, denn das Modell schwabbelt ganz gehörig auf seinem Hinterfüßchen hin und her. Ein wirklicher Nachteil ist nach mehr als 20 Landungen daraus bisher aber nicht entstanden.
Weiter geht es mit der Tragfläche. Sie wird in den Rumpf geschoben und mit zwei senkrecht in den Rumpf eingesteckten Kunststoffbolzen gesichert. Auch hier gilt: das hält. Leider fluchteten beim Testmodell Höhenleitwerk und Tragfläche nicht exakt. Auch waren die Querruderflächen etwas gewellt. Beide Punkte wirkten sich im Flug jedoch in keiner Weise nachteilig aus.

Die Cockpithaube wird vorn eingehakt und hinten eingeklipst. Unter der Haube sitzt der Empfänger
Eine Idee
Zwei Schrauben halten das Hauptfahrwerk am Rumpf. Das Kunststoffteil, das es aufnimmt, lockert sich zusehends in seinem Schaumbett, wenn das Modell häufig im Einsatz ist. Die Rädchen sind relativ klein und so entstehen nicht zu unterschätzende Scherkräfte. Ein englischer Rasen oder eine befestigte Bahn sind von Vorteil. Auch wenn die Anleitung es nicht vorsieht: Alternativ könnte das Fahrwerk auch weggelassen und seine 60 Gramm durch ein Bleigewicht ersetzt werden. Das Modell ist klein genug, um es zu werfen; und der Motor hat ausreichend Kraft für den Handstart. Halbgas genügt schon. Beim Landen dreht sich die Luftschraube aus dem Weg. Ohne Fahrwerk macht das Ganze durchaus Spaß, denn plötzlich hat man ein sehr taugliches Kunstflugmodell, mit dem man nicht mehr auf eine Landebahn angewiesen ist. Um den Bauch des Modells beim Landen zu schonen, kann die Fläche am Rumpf partiell mit einem guten Gewebeband abgeklebt werden.

Die Tragfläche wird durch den Rumpf gesteckt und mit zwei Kunststoffbolzen gesichert. Klebearbeiten fallen nicht an
Genug Wums
Dem Modell liegt eine Luftschraube der Größe 12 × 6 Zoll bei, die ab Werk perfekt gewuchtet ist. Bei der Montage greifen zwei kleine angeformte Stifte als Mitnehmer in das Frontkreuz des Motors. Der mitgelieferte Spinner wird direkt an das Frontkreuz montiert.
An Bord befindet sich ein Außenläufer, der sich bei Vollgas im Stand etwa 32 Ampere Strom genehmigt. Ob das zu viel für den Regler ist, kann nicht gesagt werden, denn es befindet sich kein Aufdruck auf ihm. Eine Programmieranleitung gibt es nicht. Ab Werk ist aber alles gut voreingestellt. Das Timing passt, die Bremse ist deaktiviert. Steckt man den Akku an, gibt der Regler nur ein einsilbiges „Piep“ von sich. Frei nach dem Motto: „Bin da. Lass uns fliegen.“
Auch wenn man die Edge 540 gut rannimmt, zeigen sich Motor und Regler unbeeindruckt. Nicht einmal 40 Grad Celsius werden erreicht. Das mag auch an der wirklich sehr gut gemachten Kühlung liegen. Über zwei Einlässe seitlich des Spinners wird eingeatmet. Eine Öffnung unterhalb des Akkuschachts verabschiedet die aufgewärmte Luft wieder ins Freie. So bekommt auch der Akku etwas Kühlung.
Als Kraftriegel eignet sich ein dreizelliger LiPo mit 2.100 Milliamperestunden Kapazität von Team Orion Avionics. Dieser passt genau in die Aussparung im Inneren des Rumpfs und erlaubt zwischen fünf und sieben Minuten Flugspaß. Mit der Abdeckung des Akkuschachts an der Seite des Rumpfs sollte man aber sorgfältig umgehen. Die Verschlüsse leiern mit der Zeit aus. Ein Zugeständnis an die Bauweise aus Schaum.

Ruderhörner und Gestängeanschlüsse sind an allen Rudern angebracht. Im Seitenruder sitzt schon das Spornfahrwerk
Letzte Handgriffe
Sitzt der Akku an seinem Platz, pendelt sich der Schwerpunkt bei etwa 70 Millimeter ein und liegt somit 10 Millimeter weiter hinten als angegeben. Im Flug hat sich das als optimal erwiesen und macht selbst bei starkem Wind keine Probleme. Die Ausschläge können wie in der Anleitung angegeben übernommen werden und bilden mit etwa 30 Prozent Expo gute Ausgangswerte. Wer Dual Rate programmieren möchte, kann für 3D-Figuren Maximalausschläge einstellen.
Wie in der Formel 1, sind auch die Renngeräte beim Red Bull Air Race ständigen Modifikationen und Weiterentwicklungen unterworfen. Vergleicht man die Silhouetten der Edges aus den Jahren 2006 und 2010 fällt auf, dass die Tragflächen heute Winglets besitzen und leicht nach vorn gepfeilt sind. Kyoshos Modell bildet nicht nur die Lackierung sondern auch den Schnitt des Originals aus dem Jahr 2006 recht gut ab. Doch wie sieht es mit dem Flugverhalten aus?
Das Leitwerk wird im Rumpf durch ein Kunststoffteil gesichert, das bei Bedarf wieder entfernt werden kann
„Alter, ist die geil!“
Man kann es kurz und bündig zusammenfassen: „Alter, ist die geil!“. Dieser recht emotionale Ausruf sei an dieser Stelle verziehen. Doch er fasst das Flugverhalten der Edge treffend zusammen und entspricht der Reaktion des Piloten kurz nach der ersten Landung. Hut ab und Daumen hoch.
Die EPP Edge 540 von Kyosho fliegt vom ersten Moment an völlig neutral, unkritisch und leichtfüßig. Das Modell hängt sehr direkt an den Knüppeln, ist aber zu keiner Zeit unbeherrschbar oder giftig. Sowohl der Geschwindigkeitsbereich als auch die Spanne der möglichen Flugstile sind groß. So kann klassisch dynamisch geflogen werden, lange Bahnen und saubere Figuren oder auch dreidimensional mit großen Ausschlägen und extremen Moves auf engem Raum. Richtig Spaß macht ein Harrier kurz vor der Landung, denn der Abriss kommt sehr spät. Wenn er kommt, sackt die Edge lediglich durch und driftet nicht über die Seite ab. Die Rückenflugeigenschaften sind sehr neutral. Rollen kommen direkt und ein Rausdrehen ist nicht erkennbar. Durch den starken Antrieb, den hohen Rumpf und das große Seitenruder ist der Messerflug ein Kinderspiel und macht richtig Spaß, denn es muss nur selten mit Quer- und Höhenruder korrigiert werden. Zum einwandfreien Torquen fehlt dem Antriebskonzept das letzte Prozent. Eine andere Luftschraube könnte hier den gewünschten Effekt erzielen, wenn auch zum Preis einer kürzeren Flugzeit und höheren Wärmeentwicklung des Antriebs.
Harrier machen besonders viel Spaß. Der Abriss kommt spät. Das Modell sackt dann lediglich durch und geht nicht über die Flächenspitze aus der Strömung. Auch tief geflogene Rollen oder Negativharrier sind eine Show
Spaßgerät
Ein tolles Modell. Die Edge 540 EPP von Kyosho überzeugt in allen Punkten. Sie ist optisch ansprechend. Motor, Regler und Servos sind eingebaut und angeschlossen. Nach höchstens zwei Stunden kleberloser Montage und anschließender Programmierung kann geflogen werden. Das Flugverhalten ist leichtfüßig, gutmütig und neutral, der Geschwindigkeitsbereich groß. Die Edge macht einfach alles mit und sie hat die richtige Größe. Mit ihren 1.200 Millimeter Spannweite passt sie auch montiert in den Kofferraum, ist damit ein alltagstaugliches Modell für alle Gelegenheiten. Kurz gesagt: Flugspaß satt!
Das seitliche Akkufach sieht bereits nach etwa fünf Akkuwechseln mitgenommen aus. Für die Ewigkeit sind die Verschlüsse nicht gemacht
Über eine Öffnung seitlich im Rumpf findet der Akkuwechsel statt. Der dreizellige Avionics-Akku mit 2.100 Milliamperestunden Kapazität passt genau in die Aussparung und verrutscht nicht
Eine 12 × 6 Zoll große Luftschraube liegt ebenso bei wie eine Spinnerkappe, die direkt an den Motor montiert wird.

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