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Nicht nur das Original der Christen
Eagle ist ein ultimativer Kunstflug-Klassiker, auch Nachbauten dieses
properen Doppeldeckers lassen Modellbauer-Herzen höher schlagen.
Ganz aktuell ist der Scale-Nachbau von Simprop, der in diesem Bericht
vorgestellt wird.
Der Baukasten Der Baukasteninhalt der Christen Eagle ist komplett: Neben den Hauptkomponenten ist das gesamte Zubehör vorhanden. Selbst Heckrad mit Anlenkung, Radverkleidungen und Alu-Spinner fehlen nicht. Für Modellflieger mit Scale-Ambitionen ist sogar die gesamte Seilverspannung verfügbar. Diese ist bereits fertig auf Länge konfektioniert und mit Gabelköpfen versehen. Die Modellteile sind komplett mit Monokote bespannt. Lediglich die Ausführung der Testmaschine entspricht nicht ganz dem Serienstand, ist aber ordentlich ausgeführt. Mit einem Heißluftfön konnten alle Foliendurchhänge beseitigt werden. Die Arbeitszeit, die man bei so einem Fünf-Farb-Finish einspart, ist erheblich. Die Bauanleitung ist zur Zeit leider nur in Englisch verfügbar. Da die Texte aber recht einfach gehalten sind, kommt man damit gut klar. Die vielen Bilder erklären den Rest und einem zügigen Zusammenbau steht nichts mehr im Wege. Los geht´s Der Zusammenbau beginnt mit den Flügeln. Zunächst muss die untere Fläche in der Mitte zusammengeklebt werden. Für die Servokabel sind Schnüre in die Fläche eingelegt, sodass die Verlängerungskabel einfach eingezogen werden können. Dann sind die Ruderscharniere an der Reihe. Dafür wird ein Kunststoffvlies verwendet, das sich mit Sekundenkleber hervorragend verkleben lässt. Jedes Ruder wird mit drei Scharnierstücken in den Flügel gesteckt. Anschließend wird von jeder Seite Sekundenkleber auf das Vlies gebracht. Der Kleber saugt sich durch die Kapillarwirkung in den Schlitz und das Ruder sitzt fest. Das funktioniert sehr gut und geht schnell von der Hand, da die Ruder leichtgängig und spielfrei sind. Ob sie dauerhaft halten, wird die Zeit zeigen. Die
fertigen Seilverspannungen liegen dem Baukasten beiDie obere Fläche besteht aus drei Teilen, wobei die Holmverbinder aus formgefrästem Hartholz bestehen. Vor dem Verkleben muss wieder auf die Schnur der Servokabel geachtet werden. Die Passgenauigkeit ist gut und die Teile sind ordentlich gefertigt. Die Beschläge für die Befestigung sind aus gekantetem Stahlblech und werden mit Holzschrauben montiert. Dafür müssen die gekennzeichneten Bohrungen vorgebohrt werden. Nach dem ersten Einschrauben ist es notwendig, die Gewinde mit Sekundenkleber zu härten. Es ist vorgesehen, an jedes Ruder ein Servo einzubauen, was bei den heutigen Servopreisen durchaus empfehlenswert ist. In diesem Fall wurden, abweichend von der Bauanleitung, nicht vier Flächenservos mit V-Kabeln verbunden, sondern vier getrennte Ausgänge benutzt. Dadurch wird die Einstellung der Ruderausschläge und die Differenzierung flexibler. Ob sich das tatsächlich bewährt, wird die Flugerprobung zeigen. Hier wurden für die Fläche und das Höhenruder die Servos 5077 von Graupner verwendet. Auf dem Seitenruder kam ein SES 900 2BB von Simprop zum Einsatz, das zwar nicht sehr schnell, aber mit 90 Newtonzentimeter (Ncm) sehr kräftig ist. ![]() Genügend Platz für die Empfangsanlage Der Rumpfaufbau beginnt mit dem Fahrwerk. So kann der Rumpf auch ohne spezielle Halterung beschädigungsfrei aufgestellt werden. Die Aussparung wird nach dem Montieren des Alu-Bügels mit einer Balsaabdeckung verschlossen. Dann werden die Räder und die Radverkleidungen mit dem mitgelieferten Zubehör montiert. Vor dem Einkleben der Leitwerke muss die Folie im Klebebereich entfernt und die Leitwerke genau ausgerichtet werden. Um das Höhenleitwerk parallel ausrichten zu können, sollte die untere Fläche montiert sein. Das obligatorische Nachmessen der Einstellwinkeldifferenz überraschte etwas. Die untere Fläche hatte -0,5 Grad, die obere +/-0 Grad. Dass bei Doppeldeckern die obere Fläche mehr angestellt wird, war bekannt. Aber negative Werte sind noch nie vorgekommen trotzdem wurde beschlossen, es dabei zu belassen. Der Einbau der Heckservos ergab keine Probleme, obwohl es schönere Methoden gibt. Für das Seitenruderservo muss die Aussparung etwas vergrößert werden, da das eingesetzte Servo nicht der 40 x 20 x 40 Standardgröße entspricht. Sehr praktisch ist die Anlenkung von Seitenruder und Heckrad. Auf die Schubstange zum Seitenruder wird ein Kunststoffteil geschoben, das zwischen zwei Siliconschläuchen geklemmt wird. Die Siliconschläuche sind wichtig, da so Stöße nicht ins Servo eingeleitet werden. Von dem Anschluss geht das Gestänge zum Heckrad ab. Die obere Tragflächenbefestigung besteht aus zwei Alu-Stanzbiegeteilen, die mit je vier Holzschrauben in den Rumpf geschraubt werden. Dann werden die GFK-Flächenstreben mit Blechwinkeln befestigt. An die Laschen werden auch die Flächenverspannungen eingehängt. ![]() Ready for take-off ![]() Das Scharniervlies ist eine interessante Art der Ruderbefestigung Der Ausbau des Cockpit kann nach eigenen Vorlieben, mehr oder weniger aufwändig, gestaltet werden. Hier wurden lediglich die mitgelieferten Teile mit Mittelpilz und Instrumentenaufkleber verwendet. Die Kabinenhaube ist bereits fertig lackiert und muss nur an der Markierung ausgeschnitten werden. Anschließend wird sie mit je vier Holzschrauben befestigt. Bei diesen Arbeiten stößt man schnell auf ein Problem: Sämtliche Schrauben sind in zölligen Abmessungen geliefert. Für die Kreuzschlitzschrauben passen Ph- oder Pz-Schraubendreher. Die Sechskantschrauben passen dagegen nicht. Zum Glück liegt für die Motorhaubenbefestigung ein überlanger 3/32 Schlüssel bei. Dieser kann auch für die Streben und die obere Flächenverschraubung verwendet werden. Zöllige Schlüssel können im örtlichen Werkzeugfachhandel recht günstig gekauft werden. ![]() Das mit Baukastenmitteln ausgestattete Cockpit Das Herz der Christen Eagle In die Christen Eagle können viele verschiedene Motoren-Typen eingebaut werden. Für Kunstflugmodelle bieten sich generell Boxermotoren (Viertakter) an, da diese sehr gut unter die Motorhaube passen. Diese sollten mindestens 40 bis 50 Kubikzentimeter (ccm) groß sein. Die Zweitakter fangen mit 30 ccm an, beispielsweise der neue 30-ccm-Boxer von Webra. Auch ein BGX von OS ist eine gute Wahl. Bei den Benzinmotoren reichen 40 bis 55 ccm aus. Wichtig ist, das Modell möglichst leicht zu halten. Mit einem Motorgewicht von 1.300 bis 1.500 Gramm stimmt der Schwerpunkt ohne Bleizugabe. In diesem Fall wurde in die Christen Eagle der neue Simprop Super Tigre 3250 eingesetzt. Lesen Sie hierzu auch den Bericht auf Seite 12. Damit steht bei 32,5 ccm Hubraum und 3,2 Kilowatt Leistung genügend Reserve für vorbildgetreues Fliegen bereit. Leider passt der mitgelieferte Rückwandträger nicht auf den Motordom. Aber im Baukasten ist ein zweiteiliger GFK-Motorträger beigelegt, der für viele Motoren in der Breite einstellbar ist. Der Einbau klappt mit der vorhandenen Bohrschablone einfach. Anschließend werden die Gewinde zur Motorbefestigung in die GFK-Träger geschnitten. Sollten diese irgendwann ausreißen, können immer noch Muttern eingebaut werden. Der Motor muss nun mit der Motorhaube ausgerichtet werden. Dazu wird der Ringspant der Motorhaube auf den Motorspant geschraubt. Nun kann die Motorhaube ausgerichtet und mit dem Ringspant verklebt werden. Durch die Bauart des Motorträgers ist es möglich, den Motor in einem gewissen Maße zu verschieben. So lässt sich der mitgelieferte Aluspinner genau auf die Anformung in der Motorhaube ausrichten. Bei der Spinnerbefestigung kommt eine M4-Schraube zum Einsatz, die übrigens die einzige metrische Schraube im Bausatz ist. ![]() Tiefer Überflug für den Fotografen ![]() Die Anlenkung der Ruder mit dem Schutz für das Seitenruder Die optisch sauberste Auspufflösung für die Christen Eagle wäre ein Dämpfer, der unter der Motorhaube verschwindet. Für den Test wurde aber ein Krümmer von Simprop verwendet, der vom Radius leider nicht ganz passte. Deshalb wurde vor dem Bogen ein drei Zentimeter langes Rohrstück eingesetzt. Mit den vielen Schlauchschellen sieht das zwar nicht sehr gut aus, funktioniert aber. Der eingesetzte Resonanzschalldämpfer hat ein recht kleines Volumen und muss im Betrieb auf die richtige Länge abgestimmt werden. Wer aus diesem Motor die optimale Leistung herausholen möchte, kann bei Simprop ein längeres Resonanzrohr (072057-7) erhalten, das aber durch seine Länge im Rumpf eingebaut werden müsste. Die dazu erforderlichen Umbaumaßnahmen sind allerdings nicht zu unterschätzen! Die abschließenden Bauarbeiten gingen recht flott von der Hand. Die Spannseile sind bereits fertig konfektioniert und bei der ersten Montage müssen die Gabelköpfe nur noch endgültig eingestellt und gekontert werden. Leider haben die Gabelköpfe keine gute Qualität, einige mussten während der Bauphase sogar ausgetauscht werden. Der Schwerpunkt ließ sich bei der Testmaschine ohne Bleizugabe einstellen und der fünfzellige NiMh-Akku mit 1.600 Milliamperestunden (mAh) wurde neben den Empfänger platziert. Über dessen Position könnte noch eine gewisse Anpassung erfolgen. Der mitgelieferte Tank mit etwa 750 Milliliter (ml) Volumen passt optimal in die vorgesehene Position. Der dritte Anschluss wurde in einen Schraubnippel in der Motorhaube geführt, sodass eine einfache Betankung von außen möglich ist. Bei der Christen Eagle ist die Installation einer Fernglüheinrichtung empfehlenswert. Die Glühkerze befindet sich etwa drei Zentimeter von der Motorhaube entfernt. Die in der Anleitung angegebenen 20 bis 30 Stunden sind nur bei sehr zügiger Arbeitsweise erreichbar. Wenn man alle Arbeiten mit der notwendigen Sorgfalt durchführen möchte, sind 40 bis 50 Stunden realistischer. Erster Flugtest Die ersten Tests bestand der Motor nicht: Es kam zu Problemen mit dem provisorischen Krümmer. Die Schlauchschellen hielten dem Druck einfach nicht Stand. Nach ein paar Versuchen wurden die Alurohre mit einem leichten Bördelrand versehen. Der Super Tigre sprang auch im warmen Zustand sehr gut an. Es genügte völlig, ihn am Spinner gegen die Laufrichtung anzulassen. Das Laufverhalten ist für einen Einzylinder in dieser Größe gut. Natürlich traten entsprechende Vibrationen auf, die aber im Rahmen blieben. Nach dem üblichen Reichweitentest bei laufendem Motor stand dem Erstflug nichts mehr im Wege. Die Startphase klappte gut, mit dem Seitenruder konnte der Geradeauslauf sehr gut gesteuert werden. Dank der Power des Super Tigre war die Christen Eagle nach zehn Metern bereits in der Luft. Leider ging die Drehzahl gleich stark zurück und der Motor kurz danach aus trotz Gasrücknahme auf Halbgas. Da die Christen Eagle genug Geschwindigkeit hatte, ging die Notlandung aber glatt und das Modell blieb heil. ![]() Die klassische Ansicht der Christen Eagle ![]() Der Anschluss der oberen Servos über einen zentralen Stecker Vor dem nächsten Flug wurde der Motor genau geprüft. Die höchste Leistung stand nur für zehn bis 15 Sekunden zur Verfügung, danach nahm die Drehzahl deutlich ab. Eine Lösung dieses Problems ist es, den Vergaser fetter einzustellen. In diesem Fall wird der Drehzahleinbruch geringer. Der zweite Start ging dann glatt über die Bühne. Die Leistungsreserve ist so groß, dass auch mit der fetten Einstellung genügend Kraft für die ersten Gewöhnungsrunden vorhanden war. Auf Sicherheitshöhe wurde erst einmal das Abreissverhalten überprüft. Die Christen Eagle kann hier nur als gutmütig bezeichnet werden, da sie erst bei minimaler Fahrt über eine Fläche abkippt. Für ein Kunstflugzeug ist das völlig in Ordnung, denn schließlich soll es mal trudeln. Der Doppeldecker überzeugte von der ersten Sekunde an. Die Ruderwirkungen waren alle ausgewogen und präzise. Das Seitenruder musste mit Expo versehen werden, das sehr gut wirkte. Nach dem Start waren nur geringe Korrekturen auf den drei Achsen notwendig. Die Landung gelang auf Anhieb recht ordentlich, da der Motor per Trimmung etwas wei-ter heruntergedrosselt wurde. Mit leichtem Schleppgas setzte sich die Christen Eagle dann sauber auf. Durch das recht weit vorne liegende Fahrwerk ist eine gewisse Neigung zum Springen vorhanden. ![]() Die Radverkleidungen sind separat mit dem Fahrwerksbügel verschraubt ![]() Der Motor verschwindet komplett unter der Motorhaube Bei den nächsten Flügen musste die Christen Eagle zeigen, was in ihr steckt. Die konventionellen Figuren gelangen auf Anhieb gut, aber im Messerflug musste mit leichtem Querruderausschlag gegengesteuert werden. Wer die Möglichkeiten hat, sollte einen freien Mischer programmieren das hilft sehr gut. Für schnelle Rollen ist es sinnvoll, die in der Bauanleitung angegebenen großen Ausschläge zu verwenden. In diesem Fall sollten aber 30 bis 40 Prozent Expo nicht fehlen. Die Mög- lichkeit, die vier Querruder einzeln einstellen zu können, ist eine hilfreiche Sache. Eine Differenzierung der oberen Ruder von 15 Prozent und der unteren Querruder von fünf Prozent ergeben saubere Rollen ohne Korkenzieher. Da der Entwurf der Christen Eagle bereits einige Jahre alt ist, sind die heutzutage geflogenen Figuren natürlich nicht möglich. Alles, was mit 3D- Fliegen zu tun hat, ist nichts für die Christen Eagle. Der Motorsturz könnte eventuell etwas vergrößert werden, da der Doppeldecker bei Vollgas leicht weg steigt. Die Christen Eagle wurde mit zwei verschiedenen Luftschrauben geflogen. Eine Menz 20‡ x 9‡ drehte der Motor mit dem kleinen Resonanzrohr nicht ganz aus. Für relativ leises Fliegen ist das aber eine gute Wahl. Mit einer Menz 18‡ x 10‡ ist deutlich mehr Leistung vorhanden, aber der Lärm nimmt zu. Am Boden wurde eine GFK-Luftschraube Dynatrust 21 x 6 getestet. Damit ist maximaler Standschub bei hoher Drehzahl vorhanden. Alltagstauglich Vor das Vergnügen haben die Götter den Schweiß gesetzt. Das trifft für den ARF-Baukasten der Christen Eagle nur zum Teil zu, denn für ein ARF-Modell gibt es zwar einiges zu tun, aber es lohnt sich. Alle Teile sind alltagstauglich und von guter Qualität. Mit einem zuverlässigen Motor macht die Christen Eagle sehr viel Spaß. Wenn der Kunstflug zu langweilig wird, gibt es eine sinnvolle Aufgabe für den Doppeldecker: Mit zwei Schleppkupplungen an den Rumpfseiten wird sie schnell zur Schleppmaschine. Stilbruch? Mag sein, es macht aber eine Menge Spaß zu beobachten, wie sie eine ASW 28 mit fünf Meter Spannweite auf Ausgangshöhe bringt. ![]() Modellfliegen in seiner schönsten Form |
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