
Was lange währt, wird endlich gut. Es hat schon etwas gedauert, bis robbe sein neues Superladegerät auf den Markt bringen konnte. Und ein Namensstreit sorgte noch vor der Markteinführung für eine Umbenennung. Nun heißt es Power Peak E1. Das Outfit blieb unverändert: Schwarzes Pultgehäuse mit nahezu quadratischem Querschnitt, zwei parallele Lademöglichkeiten, einer Menge Kühlkörper und Power bis zum Abwinken. Das Gesicht des robbe-Spitzenladers wird geprägt durch ein 100 x 66 Millimeter großes Grafikdisplay mit 192 x 128 Pixel. Geblieben ist vom Vorgängermodel Infinity 3 das robbe-typische Bedienrad, allerdings in zeitgemäßer Ausführung als Touchpad. Drehen und Klicken erfolgen quasi pantomimisch. Ohne Verschleiß, doch – offen gesagt – mit etwas Gewöhnungsbedarf. Das Angenehme daran: Die Menüs blieben schön übersichtlich. Man wählt an, indem man die Fingerkuppe kreisen lässt. Hat man den gewünschten Auswahlpunkt erreicht, berührt man „Enter“ und befindet sich in der darunterliegenden Ebene. Das ist dann im Grundsatz schon mal alles. Einmal geklickt, schon geblickt. Ein Gerät also für jene, denen es nach dem Kauf eher nicht nach einem Tage dauernden Studium der Betriebsanleitung ist. Die Sprache, in der das Display antwortet, ist natürlich wählbar. Soviel zum Thema Kundenorientierung.
Wachstumsorientiert
Natürlich lässt sich am Power Peak E1 jede modellbauübliche Art von Akku Laden: neben bis zu 14 LiPos auch eine ebensolche Anzahl von LiIon- und LiFe-Batterien, natürlich auch die guten alten Bleisammler bis zwölf Zellen sowie NiCd- und NiMH-Akkus bis zu 36 Zellen. Für Letztere steht auch ein ansteckbarer, magnetisch an den Zellen haftender Thermofühler zur Verfügung, der die Ladung parallel zur Delta-Peak-Abschaltung überwacht. Diese Wächterfunktion lässt sich gradweise zwischen 10 und 80 Grad Celsius einstellen. Die Ladung wird beendet, wenn entweder das -Delta-U-Kriterium oder die eingestellte Grenztemperatur zuerst erreicht wird. Spannung und Temperatur lassen sich in einem Untermenü dann noch graphisch darstellen. Bei Pb-und Li-Akkus, die nach dem Konstantstrom-/Konstantspannungs- (CC-/CV-) Verfahren geladen werden, signalisiert das Gerät „ENDE“, wenn der Ladestrom auf ein Zehntel des Anfangswerts abgefallen ist. In diesem Fall ist der Akku zu mindestens 98 Prozent vollgeladen. Verbleibt der Akku weiter am Gerät, wird mit fallendem Strom weiter geladen. Bei einem Rest von 50 Milliampere Ladestrom schaltet das Gerät ab. Benutzerorientiert Die Delta-Peak-Empfindlichkeit bei der Ladung von NiXx-Akkus ist in jedem Falle einstellbar, sodass auch überempfindliche Akkus mal richtig rangenommen werden können. Allerdings birgt das natürlich immer die Gefahr in sich, diese Wächterfunktion damit „einzulullen“
Die Ladeleistung wird mit maximal 315 Watt beziffert. Das bedeutet, dass unterhalb von 15,75 Volt der volle Ladestrom von 20 Ampere zur Verfügung steht. Damit wäre beispielsweise ein 4s2p-LiFe-Akku aus 2,3-Amperestunden-Zellen in gut 15 Minuten voll. Bei 10 LiPos stehen dann immer noch 7,5 Ampere Ladestrom bis zum Ladeende bereit. Ein LiPo-Akku sollte, so in derartigem Galopp auf Ladung gebracht, allerdings schon vorher aus einigermaßen spannungsgleichen Zellen bestehen, denn die eingebauten Balancer halten da mit 220 Milliampere Balancierstrom nicht mit. Wenn die speisende Spannung unter 11 Volt abfällt, tritt die „Selbstschutzbrigade“ des Laders auf den Plan und regelt die Leistung schrittweise herunter. Damit ist klar, dass so ein Power-Lader auch artgerecht ernährt sein will. Die Kleinwagenbatterie mit 36 Amperestunden Kapazität wird daher keine allzu ausgedehnten Ladespiele zulassen.
Praxisorientiert Dafür wurde die Disziplin „Entladung“ am Hauptausgang geradezu kultiviert. Bis zu 40 Ampere Entladestrom erzeugt das E1. Und zwar nicht etwa durch technisch kompliziertes und mitunter gefährliches Rückspeisen in den 12-Volt-Akku, sondern durch „Verbraten“ am rückseitigen Kühlkörper, der dann allerdings von allen Seiten von Ventilatoren angebrüllt wird. Natürlich können diese Blasebalgtreter bei allem Getöse die physikalischen Gesetze nicht aufheben.160 Watt sind das Maximum, was an Temperaturmüll abgefahren werden kann. Das reicht bei Vollstrom eben nur bis zu einer Akkuspannung von 4 Volt. Dennoch: Mit diesem Ladegerät lassen sich Lithium-Einzelzellen endlich mal unter wirklich harten Betriebsbedingungen testen. Bei höherer Zellenzahl klappt das Ganze dann naturgemäß nur noch in Maßen. Dennoch, wer gelegentlich diagnostisch tätig sein will, hat mit dem Power Peak E1 genau auf das richtige Pferd gesetzt.
Es dürfte wohl klar sein, dass bei Lithium-Akkus auch beim Entladen der Balanceranschluss gesteckt sein muss. Nicht etwa, weil auch hier ein Spannungsausgleich zwischen den Einzelzellen notwendig wäre, sondern, um dem Entladegerät die Einzelzellenspannungen mitzuteilen. Die Abschaltespannung ist einzelzellenbezogen im Bereich von 2,5 bis 3,6 Volt vorwählbar. Damit dürfte dann diesbezüglich eigentlich nichts mehr in die Hose gehen. Wünschenswert wäre hier in diesem Zusammenhang noch das Feature, die Entladung nicht nur spannungs-, sondern auch temperaturgesteuert beenden zu können.
Natürlich bietet auch das Power Peak E1 die Möglichkeit, Akkudaten über eine USB-Schnittstelle auf dem PC sichtbar zu machen, zu bearbeiten und speichern zu können. Dazu benötigt man das freie Auswertungsprogramm Logview (www.logview.info).
Zukunftsorientiert
|
Text und Fotos: Ludwig Retzbach |
|
Das komplette Inhaltsverzeichnis Zur Heftbestellung bitte hier entlang. © Wellhausen & Marquardt Medien 2009 |