Beim Wort „Cobra“ denken wir sofort an eine Giftschlange und die damit verbundene Gefahr. Ob die Cobra 15 von pp-rc Modellbau wirklich so (sucht)gefährlich ist wie der Name vermuten lässt, soll dieser Test klären.

Der Name stammt vom polnischen Vorbild, der SZD-36. Das Segelflugzeug „Cobra 15“ mit 15 Meter Spannweite entstand aus der weitaus bekannteren SZD-32 Foka 5. Es wurde für die Standardklasse neu entwickelt und war mit Einziehfahrwerk sowie Landeklappen auf der Tragflächenober- und Unterseite ausgestattet. Dabei hatte das Einziehfahrwerk eine Besonderheit: Das Rad schwenkt nicht nach hinten ein, wie heute allgemein üblich, sondern seitlich und liegt flach unter dem Pilotensitz. Weiterhin ist die SZD-36 mit Ballasttanks in den Tragflächen ausgerüstet. Da das damalige Reglement jedoch keinen Abwurf von Ballast duldete, musste er bis zur Landung mitgeführt werden. Die Cobra wurde fast 300-mal gebaut.


Der Bausatz ist komplett und die Komponenten weitgehend vorgefertigt

 

Semi-Scale-Bausatz
Die 2.300 Millimeter spannende SZD-36 wird beim Hersteller royal-model in Tschechien gefertigt, der Online-Shop pp-rc Modellbau aus Kölln-Reisiek bei Elmshorn vertreibt ARF-Bausätze dieses Semi-Scale-Modells bei uns in Deutschland. Heute kaufen, morgen fliegen – na, ob das so schnell geht, wird sich erst einmal zeigen.

An dem weiß eingefärbten GFK-Rumpf mit schmaler Naht und angeformtem Spornrad ist bereits der Anriss für das Hauptrad an der Rumpfunterseite eingebracht. Alle Löcher zur Tragflächensteckung sind vorgebohrt, ebenso diejenigen zur Befestigung des Höhenleitwerks. Fertig grau eingefärbt ist der GFK-Haubenrahmen. Die Haube ist durchsichtig, schlierenfrei und besitzt bereits den Anriss zur Anpassung an den Haubenrahmen. Trotz der weitgehend vorgefertigten Kabinenhaube sollte diese der zeitaufwändigste Punkt beim Bau des Modells werden.

Die Tragflächen mit Einfachtrapezgeometrie wiederum glänzen in einem weißen Kleid aus Bügelfolie. Die Querruder sind leichtgängig mit Folie angeschlagen, Aussparungen für die Servos ausgefräst und die Messingröhrchen für die Tragflächensteckung mit der Wurzelrippe verklebt. Doch was ist das? Der 2-Millimeter-Torsionsstahl wird nicht in einem Messingrohr geführt, sondern einfach in der Bohrung einer 4 Millimeter dicken Balsawurzelrippe im Tragflügel. Nun gut – es wird sich zeigen, wie lange das hält.


Der Rumpf-Tragflächen-Übergang passt ohne Nacharbeit tadellos, die Anstellwinkel beider Tragflächen sind identisch


RC-Einbau im Rumpfboot: Für das Höhen- und Seitenruder sind Standardservos vorgesehen. Im Rumpf ist genügend Platz dafür, der Empfänger sitzt kurz davor in Schaumgummi verpackt

Das Höhenleitwerk ist als profilierte ebene Platte und das Seitenruder in offener Balsa-Rippen-Bauweise ausgeführt. Beide Teile sind ebenfalls in Bügelfolie gekleidet. Hier und da muss ein bisschen nachgebügelt werden, doch das ist ARF-üblich und in 5 Minuten erledigt. An Kleinteilen sind ein zweifarbiger Dekorsatz, der Seitenruderabschlussspant aus Balsaholz, Stahldrähte zur Ruderanlenkung, der 6-Millimeter-Flächenstahl sowie diverse Anlenkungsteile zu nennen.

Für Fortgeschrittene
Die englische Bauanleitung konzentriert sich auf das Wesentliche und gibt in ein paar Skizzen Hilfestellung zu den Themen Ruderanlenkungen, Leitwerksbau und Servoeinbau. Sie ist bewusst für erfahrene Modellbauer gedacht. Fortgeschrittene Anfänger werden hin und wieder eine kleine Denkpause oder etwas Hilfe benötigen, um das Modell erfolgreich fertig zu stellen.

Als Erstes wird das Messingrohr für die Tragflächenbefestigung in den Rumpf eingeklebt, nach vorheriger Kontrolle durch die EWD-Waage zeigen sich beide Tragflächen mit demselben Anstellwinkel. Der Torsionsstahl wird nur durch die Bohrungen im GFK durchgesteckt, eine Führung im Rumpf wäre dabei reiner Luxus und ist bei einen Modell dieser Größe auch nicht unbedingt erforderlich. Als Nächstes werden die 0,8-Millimeter-Strahldrähte in ihren Bowdenzügen nach hinten zu den Leitwerken verlegt. Beim Seitenruder gelingt das noch ganz gut, der Zug kann nahezu geradlinig nach hinten aus der im Rumpf vorgesehenen Aussparung herausgeführt werden.


Bei der elektrischen Steckverbindung zu den Querruderservos wird die MPX-Hochstrom-Steckverbindung in der Mitte durchgesägt. Dadurch entstehen zwei kleine Stecker mit jeweils drei Kontakten. Die Buchse wird am Stück belassen und mit dem Empfänger verbunden

Bei der Höhenruderanlenkung sieht dies jedoch anders aus. Der Zug muss im Bogen verlegt werden, ohne dass die Anlenkung zuviel Spiel hat oder – was noch schlimmer ist – schwergängig ist. Beides ist von Übel, sodass dieser Bauabschnitt mit großer Sorgfalt und der notwendigen Muße erfolgen sollte. Der Autor hat dabei einen kleinen Balsaspant senkrecht nach hinten in die Rumpfröhre geschoben, diesen mit dem Rumpf verklebt und daran das Außenrohr der Anlenkung mit Sekundenkleber gesichert. Dadurch ergibt sich ein größtmöglicher Bogen und damit die erforderliche Leichtgängigkeit der Höhenruderanlenkung.

Nur ein Klacks
Um die Anlenkung noch leichtgängiger zu machen, kann man den Stahldraht dem Verlauf des Bowdenzugrohrs entsprechend vorbiegen. Der Einbau des Abschlussspants im Seitenleitwerk ist nach dieser Übung nur noch ein Klacks. Mittels zweier Scharniere wird das Seitenruder am Rumpf fixiert, in die Bohrungen zur Höhenleitwerksbefestigung werden zwei 3-Millimeter-Gewinde eingeschnitten und schon sitzen die Leitwerke allesamt an ihrem Platz.

Das Servobrett für Seite und Höhe ist für zwei Servos in Standardgröße vorbereitet. Gut so, das schont den Geldbeutel, wenngleich hier noch das eine oder andere Gramm Fluggewicht eingespart werden könnte. Doch wie sich später zeigen sollte, braucht der Vogel sowieso Blei in der Schnauze. Nach fixem Einkleben des Spants mit 5-Minuten-Epoxy können schon die beiden Servos an ihre Plätze geschraubt und mittels der beiliegenden Anlenkungsteile an die Stahldrähte angeschlossen werden. Hinten bei den Rudern ist ähnlich zu verfahren: Ruderhörner mit Epoxy einkleben, den Höhenleitwerksstrahldraht L-förmig abwinkeln und durch die entsprechende Bohrung im Ruderhorn stecken, dann das Seitenruder mittels beiliegendem Kunststoffgabelkopf anlenken – fertig!

Reichhaltige Ausstattung
Das Zubehör umfasst den Haubenverschluss, das Messingrohr der Flächensteckung, Scharniere für das Seitenruder, Löthülsen, Kunststoffruderhörner, Gabelköpfe und die ABS-Servoabdeckungen mit entsprechenden Erhöhungen zum Einbau von 12-Millimeter-Servos in die zierlichen Tragflächen. Apropos Tragflächen: Mit dem Einbau der Querruderservos und deren Anlenkung schließen wir den Bau der Cobra weitgehend ab. Das Einziehen der Servokabel ist dank der bereits eingebrachten Kabelkanäle kein Thema. Die Servos werden mit doppelseitigem Klebeband versehen und mit der Flächenschale verklebt, die Anlenkungen aus den Zubehörteilen erstellt sowie die ABS-Abdeckungen mit Tesafilm gesichert.


Bilderbuchwetter am Erstflugtag – man sieht es dem Piloten deutlich an

Letzter Schliff
Für den letzten Bauabschnitt, das Zuschneiden und Verkleben der Kabinenhaube, sollte man sich nun etwas mehr Zeit nehmen. Glücklicherweise ist der Anriss auf der sicheren Seite und das Haubenmaterial lässt sich mit der Schere gut bearbeiten. Hat man es endlich geschafft und die Haube zu seiner Zufriedenheit angepasst, kann die Verklebung mittels 5-Minuten-Epoxy, UHU-Plus oder 24-Stunden-Kunstharz erfolgen. Der Autor hat mal etwas Neues ausprobiert und die Haube einfach mittels 5 Millimeter breiter Streifen aus doppelseitigem Klebeband befestigt. So kann man noch am selben Abend den Rand des Haubenrahmens lackieren, ganz fixe Zeitgenossen gehen hier den ähnlichen Weg und kleben den Rand einfach mit weißem Klebeband ab.

Vor dem Befestigen der Haube wurden noch ein paar Instrumente aufgeklebt und eine Rückenlehne angedeutet. So kommt mit wenig Aufwand noch etwas Farbe ins Cockpit. Abschließend wird der geplottete Dekorsatz mittels beigelegter Transferfolie auf dem Rumpf platziert und vorsichtig blasenfrei angedrückt. Man kann die Stellen vorher auch mit einer leichten Wasser-Spülmittel-Lösung benetzen und die Lufteinschlüsse vorsichtig herausreiben. Nach 1 bis 2 Tagen ist die Restfeuchtigkeit entwichen und die Aufkleber haben ihre ganze Klebekraft entfaltet. Doch wenn es sich – wie hier – nur um kleinere Folienstücke handelt, kann man diese mit etwas Sorgfalt auch direkt aufkleben.


Die Cobra ist ein sehr schnittiges Flugzeug, …

Frischluft-Fliegen
Im Spätherbst durfte die Cobra zum ersten Mal an die frische Luft. An einem schwach geneigten Westhang und bei leichtem Wind wurde sie über die Kante geschoben. Nach kurzem Geradeausflug und kleinen Trimmschritten auf Höhe und Quer folgten die ersten Achten, um im Hangaufwind zu bleiben. Doch leider war an diesem Tag nicht viel zu holen, der Wind war zu schwach und drehte später allen Übels auch noch in die falsche Richtung.

Einige Wochen später waren die Bedingungen besser, der Wind blies nur schwach aber konstant und die Sonne war mit im Spiel. Der Start konnte nun schon mit etwas mehr Schwung erfolgen, 1.200 Gramm lassen sich ganz ordentlich beschleunigen und sorgen gleich für ein paar Meter Hangüberhöhung. Dabei zeigte sich die Cobra von ihrer besten Seite. Enge Kreise ganz nah der Hangkante lassen sich mit ihr sauber fliegen, das Profil nimmt Aufwinde gut an und lässt das kleine Reptil recht schnell wegsteigen. Allerdings sollten die Quer- und Seitensteuerung koordiniert erfolgen.

Schnell noch ein paar Loopings, um die Höhe abzubauen und dann nichts wie rein zur Landung. Die Tiefenruderzumischung zur Landestellung passte beim ersten Mal überhaupt nicht, deshalb kurz durchgestartet und einfach etwas tiefer angeflogen. Nach der Landung wurde die Tiefenruderzumischung zum Hochstellen der Querruder noch etwas verfeinert und zum zweiten Flug gestartet. Doch plötzlich gebärdet sich die kleine Cobra auf einmal wie wild geworden, lässt sich nur mit viel Mühe überhaupt in der Luft halten. Also schnell gelandet und die Ursache erforscht. Nach eingehender Untersuchung stellte sich heraus, dass die Spannungsversorgung bei Betätigung aller Ruder zusammenbricht. So wurde der Empfängerakku ausgetauscht und die Flugerprobung ein paar Wochen später fortgesetzt.

Jahreswechsel
Mittlerweile war es Winter und es wehte eine steife Brise am Silvestertag. Trotzdem sollte die kleine Cobra auch bei diesen Bedingungen zeigen, was in ihr steckt. Schwups über die Kante geschubst und schon ging's los. In großzügigem Aufwind lässt sie sich herrlich flott fliegen. Loopings, Turns und natürlich Rollen lassen den Piloten fast vergessen, dass es jämmerlich kalt ist. Das geringe Gewicht der Cobra fällt nahezu überhaupt nicht negativ auf, mit etwas Tiefentrimmung marschiert sie wunderbar.

Nach etwa 20 Minuten zwang den Autor ein Schneeschauer zur Landung; eine gute Gelegenheit, die mittlerweile sehr kalten Finger aufwärmen. Wieder ein paar Wochen später mit der Mini-Cobra am Hang trug es nicht wirklich und die Cobra zeigte wieder diese eigenwilligen Unarten wie zu der Zeit, bevor der Empfängerakku ausgetauscht wurde. Bei Betätigung aller vier Servos brach die Spannungsversorgung immer wieder zusammen und die Servos reagierten nur stotternd. Sollten die NiMH-Akkus die Kälte nicht vertragen? Also ran an die Werkbank und auf zur Fehlersuche. Zuerst wurde der Empfängerakku probehalber durch ein größeres, fünfzelliges Exemplar ersetzt. Okay, damit ging es erst einmal. Doch nach einer Weile zeigen sich auch dort vehement Empfangsausfälle. Nach Anschluss des Akkus an einen anderen Empfängereingang zeigte sich dasselbe Bild. Nun wurde das Akkuanschlusskabel ersetzt. Aha, dies schien eine eindeutige Besserung zu ergeben. Es wurde erneut umgebaut auf den Original-Empfängerakku und es funktioniert immer noch. Kurz noch mal an das alte Akkuanschlusskabel angeschlossen, waren die Probleme wieder da. Zurückgesteckt – Spuk vorbei, Fehler lokalisiert: Spannungsabfall im Akkuanschlusskabel! Mit dieser Erkenntnis findet das alte Kabel seinen Weg in den Mülleimer. Seitdem ist die Freude auf viele weitere Flüge mit der kleinen Cobra ungetrübt.


… denn die flotte Gangart liegt ihr bestens

Test und Fotos:
Markus Glöckler

Technische Daten:

Spannweite:
2.300 mm

Länge: 1.100 mm

Fluggewicht: 1.220 g

Tragflächenprofil: S 3010

Flügelfläche: 29,7 qdm

Flächenbelastung: 41 g/qdm

Schwerpunkt: 60 mm hinter Nasenleiste

EWD: 1,5°

Preis:
159,– Euro

Bezug:
Fachhandel

 

 

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