
Es könnte alles so einfach sein. Man schreibt drauf, was drin ist. Denn viel gibt es ja nicht zu erzählen. Zellenzahl, Kapazität, C-Rate – damit hätte man auch schon das Meiste. Doch warum benehmen sich die Motoren dann doch ganz anders, obwohl sie von vordergründig vergleichbaren LiPos gespeist werden? Eine Antwort versucht dieser Bericht anhand zweier ausgewählter Lipo-Typen von stark unterschiedlichem Charakter zu finden. Die Auswahl war nicht ganz einfach, denn bei der derzeitigen Menge des Angebotenen sollte man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Schließlich tauchen neben den bekannten Markenprodukten immer wieder ganz neue Zellen auf. Die Rede sei hier nicht von jenen zahlreichen ausgesprochen preisgünstigen Honkong-Direktimporten via Internet. Diese müssen per se nicht schlecht sein. Doch haftet ihrem Kauf etwas an, das naheliegend mit dem Kauf von hochverzinslichen US-Zertifikaten vergleichbar scheint. Das Risiko, damit nach dem zehnten Ladezyklus bereits silberglänzenden Sondermüll entsorgen zu müssen, ist jedenfalls real. Beschrän- ken wir uns hier auf vergleich-
Die hier ausgewählten Zellentypen liegen eng beieinander. Gewählt wurde jeweils das Spitzenprodukt der jeweiligen Reihe Hochlastzellen, die mit 30C und mehr um die Gunst der Käufer buhlen und gerne mit dem Zusatz „ultimativ“ angeboten werden. Sie sind keine Leichtgewichte sondern eher für den „Poweruser“ bestimmt. Daher übersteigt ihre Energiedichte den Wert 130 Wattstunden pro Kilogramm nicht wesentlich. Die laut Anbieter zulässige Laderate liegt bei beiden Exemplaren bei 2C. Doch das wäre eigentlich schon wieder Stoff für ein eigenes Kapitel.
Titelverteidiger ist die Kokam H5 mit 3.600 Milliamperestunden Kapazität (mAh), die einzeln 107 Gramm wiegt und den Aufdruck 35C trägt. Konkretisierend steht auf dem Label noch „MAX. DISCHARGE CURRENT: 126/180 A“, was auf eine Kurzzeitlizenz von 50C hinausläuft. Eine Zelle für Antriebe also, bei denen es schon mal richtig zur Sache geht. Mit einem Preis von ziemlich einheitlich 113,– Euro für eine 3s-Batterie wendet sich die Zelle an Käufer, die sich Qualität auch etwas kosten lassen. Kokam-Akkus sind hierzulande nahezu überall im Fachhandel erhältlich und in diesem Segment das, was „Steinway“ für Pianos ist. Solche „Oldplayer“ müssen sich damit abfinden, immer wieder von dem einen oder anderen „Newcomer“ frech und respektlos herausgefordert zu werden. Beachtenswert erscheint in dieser Kategorie die SLS ZX 3.700 mAh, die sich mit einem nicht eben bescheidenen 30C/55C-Aufdruck auf dem Label meint schmücken zu dürfen. Es errechnet daraus ein MAX. DISCHARGE CURRENT von 111/204A. Auch nicht schlecht! Mit der Nennkapazität von 3.700 mAh ist die Zelle nominal nur unwesentlich kapazitiver, mit 303 Gramm nur unwesentlich leichter. Mit einem Preis von etwa 90,– Euro für den 3 s-Pack ist diese (rein äußerlich) grünste aller LiPos in Stefans LiPoShop (www.stefansliposhop.de) bei Weitem auch kein Billigheimer. Doch man ahnt bereits: Der Vergleich wird spannend.
Und die Wirkung?
Die Messkurve offenbart leider auch, dass selbst diese Premium-Zelle von Kokam den Mund in Sachen Kapazität wieder etwas voll nimmt. Schon bei 10C gibt es lediglich 90 Prozent des Versprochenen. Der Heraus-forderer muss da einfach punkten. Interessant auch der Wattstundenvergleich. Hier zeigt sich, was in einer Zelle wirklich drin ist.
Doch wie reagiert der reale Antrieb auf solche Unterschiede? Nehmen wir mal einen AXI-4120-14-Motor, der eine Luftschraube vom Typ 14 x 8-APC-Sport anzutreiben hat. Der Wechsel von der Kurve „rot“ auf „grün“ macht nach 50 Sekunden Laufzeit immerhin schon plus 3 Ampere (A) sowie ein Dreh-zahlgewinn von 250 Umdrehungen pro Minute (rpm) aus. Gravierender werden die Unterschiede weiter am Ende, nach 300 Sekunden (wo man vernünftiger Weise schon gelandet sein sollte). Die Stromdifferenz beträgt nun schon 6 A und mehr als 500 rpm. Das ist bereits ein anderer Antrieb.
Sicher gibt es auch eine andere Sicht der Dinge. Die Kokam-Spannungskennlinie kippt schon vor Beginn des letzten Entladedrittels deutlich sichtbar ab. Das ist das von den NiXx-Akkus gewohnte Indiz, dass der An- trieb bereits auf „Reserve“ läuft. Die Zelle „schwächelt“ zum Ende hin. Der User merkt rechtzeitig (und meist auch ohne technische Hilfsmittel), wann er Schluss zu machen hat. Genau genommen nutzt man wegen eintretender Leistungsschwäche nur 60 bis 70 Prozent der theoretisch möglichen Laufzeit. Vielleicht liegt hier einer der Gründe, warum die Kokam-Zelle oftmals als sehr langlebig besungen wird – zuweilen in nicht ganz unkommerziell wirkender Tonlage. Ganz anders die SLS-Batterie: Ihr Span-nungsverlauf scheint sich im letzten Drittel nochmals zusätzlich zu stabilisieren, was der (wenn auch vergleichsweise maßvollen) Temperaturzunahme geschuldet ist. Doch bei 95 Prozent Pflichterfüllung stürzt die Kenlinie dann förmlich ab. Wer seinen Heli da noch nicht am Boden hat, läuft Gefahr, sich am Ende mehrfach bücken zu müssen. Bei diesbezüglich kritischen Modellen ist daher ein Spannungsdetektor Pflicht. Dieser wirkt allerdings nur dann hinreichend zuverlässig, wenn er auch die Einzelspannungen auswertet. Das ist fraglos die Schattenseite derartiger auf Beständigkeit ausgelegter Charaktere. Überreizt neigen sie dazu, ihr Wirken abrupt zu beenden.
Aus Gründen der Fairness bedarf es des Hin-weises, dass Diagramme der gezeigten Art nichts von dem Bemühen der Batterieentwickler um mehr passive Sicherheit wiedergeben. Eine Zelle, die auch bei mechanischer Beschädigung Schlussbetrachtung Technische Hilfsmittel Die Erkenntnis „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ soll von Lenin stammen, der als Wegbereiter des Kommunismus immerhin noch an den neuen, besseren Menschen geglaubt haben muss. Somit kann dies wohl auch für neue verbesserte LiPos nicht ganz verkehrt sein. Wer auf Timer oder Zeitgefühl vertraut, darf nicht immer sicher sein, dass nicht doch mal ein Akku während des Flugs über die kritische Grenze hinaus entladen wird. Technische Hilfsmittel, die diese anhand der Zellenspannungen kontrollieren, sind fraglos die bessere Lösung. Eine „weiche“ Art von Kontrolle üben dabei Geräte wie der LiPo-Wächter V2 aus. Das gleichfalls bei Stefans LiPoShop angebotene Zubehörteil wertet über den Balanceranschluss die Einzelzellenspannungen eines bis zu sechszelligen LiPos aus und signalisiert optisch sowie ab drei Zellen auch akustisch, dass die (mit einem Minipoti einstellbare) Spannungsschwelle (wählbar zwischen 3,8 V bis 3 V) für eine gewisse Zeitdauer unterschritten wurde. Die „Versagerzelle“, welche den Alarm auslöste, wird anschließend durch eine Reihe kleiner SMD-LEDs angezeigt. Da die eigentliche Signalisierung durch eine superhelle rote LED und einen Beeper erfolgt , bestehen bei LiPo-Akkus Grundlagen Bei allen übrigen Modellen, die eher weiträumig bewegt werden, bewährt sich mehr der „harte“ Die Abregelschwelle ist mittels Lötbrücke(n) zwischen 3,3 und 2,5 Volt je Zelle wählbar. Auf gleiche Weise ist das Abregelverhalten von kontinuierlich bis eher abrupt (kurzer Aussetzer mit anschließendem wieder Hochfahren auf maximal 85 Prozent des ursprünglichen Werts) einstellbar. Wie bei Schulze-Zubehör nicht un- |
Text und Fotos: Ludwig Retzbach |
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